Der zweite Kreuzzug

Kristen, juden und die heiden
jehent, daz díz ir erbe sî.
gót, müeze éz ze rehte scheiden
durch die sîne namen drî.
al diu werlt, diu strîtet her:
wir sîn an der rehten ger.
reht ist, daz er uns gewer!

Der Begriff "Kreuzzug" wurde erst im 13. Jahrhundert geprägt davor finden sich lediglich die Begriffe "bewaffnete Pilgerfahrt " und "bewaffnete Wallfahrt ". 

Die Kreuzzüge der christlichen Völker des Abendlands waren (vorgeblich) religiös motivierte Feldzüge, die eigentlich der Befreiung Jerusalems und des Heiligen Landes Palästina aus der Hand der "Ungläubigen" dienen sollten, aber tatsächlich schnell zur reinen Machtpolitik genutzt wurden. Der Begriff Kreuzzug wurde bald auf Kriege gegen Nichtchristen anderer Länder und gegen von der Kirche als Ketzer betrachtete Menschen ausgeweitet. 

Der zweite Kreuzzug war ein von der Kirche geförderter Kriegszug zur Entlastung der Kreuzfahrerstaaten, der durch den Verlust der Grafschaft Edessa im Jahre 1144 veranlasst wurde. Er begann 1147 und endete nach mehreren Niederlagen der Kreuzfahrer im Jahre 1149 ergebnislos. 

Zwischen den in Folge des ersten Kreuzzuges gegründeten Kreuzfahrerstaaten kam es recht schnell zu Konflikten oftmals kriegerischer Art. Zudem war das normannische Fürstentum Antiochia in ständige Kämpfe mit dem Byzantinischen Reich verwickelt bis es im Jahre 1138 unter byzantinische Oberhoheit geriet. Die Uneinigkeit der Kreuzfahrerstaaten und ihre daraus resultierende Schwäche wurde von Emir Zengi von Mossul im Jahre 1144 dazu genutzt Edessa zu erobern und alle Franken in der Stadt niederzumachen. Dadurch gerieten die verbliebenen Kreuzfahrerstaaten in Bedrängnis. Auf der anderen Seite steigerte der erste vernichtende Schlag gegen einen Kreuzfahrerstaat den Kampfeswille der Moslems. Diese Entwicklung ließ einen weiteren Kreuzzug notwendig erscheinen. Von dem Zisterzienser -Abt Bernhard von Clairvaux beeinflusst rief Papst Eugen III. deshalb im Dezember 1145 zu einem zweiten Kreuzzug auf. Durch das zähe Drängen von Bernhard von Clairvaux konnten der französische König Ludwig VII. und der deutsche König Konrad III. schließlich dazu bewogen werden diesen Kreuzzug zu organisieren und dessen Führung zu übernehmen. Bernhard von Clairvaux wandte sich gezielt an den Adel um die Ausschreitungen der Volkskreuzzüge zu vermeiden. Mindestens genauso wichtig wie die eigentliche Kreuzzugspredigt waren Bernhards Bemühungen um den Ausbau des Templerordens des ersten christlichen Ritterordens der 1120 in Jerusalem gegründet worden war zunächst aber nur geringe Bedeutung hatte. 

Schon bevor der Zug Byzanz erreicht hatte, gab es Auseinandersetzungen mit Manuel I., dem Kaiser des Byzantinischen Reichs, der fürchtete, Konrad wolle sich auch gegen ihn wenden. Manuel einigte sich in einen Geheimvertrag auf einen Waffenstillstand mit den Seldschuken. Seine Frau Bertha konnte jedoch zwischen den Kreuzfahrern und ihm vermitteln. Gegen den Rat Manuels zog Konrad, wie rund 50 Jahre zuvor der Erste Kreuzzug mitten durch Kleinasien.

Konrads Heer war auf den Marsch durch das zerklüftete Hochland nur unzureichend vorbereitet. Es kam im Gebirge nur so langsam voran, dass Proviant und Wasser früher als geplant knapp wurden. Die erschöpften und durstigen Kreuzfahrer gerieten dann in der Nähe von Doryläum in einen gut vorbereiteten Hinterhalt der Seldschuken. Dabei gelang es den seldschukischen berittenen Bogenschützen, die christlichen Ritter dazu zu verleiten sie zu verfolgen. Zerstreut und weit entfernt von der eigenen Infanterie wurden sie eine leichte Beute für die seldschukische Reiterei. Das christliche Fußvolk wurde nun völlig überrumpelt und musste sich unter katastrophalen Verlusten zurückziehen.

Die Überlebenden zogen sich nun zunächst geordnet zurück und wurden dabei ständig von seldschukischen Verfolgern bedrängt. Die Notwendigkeit im Umland Proviant zu beschaffen verlangsamte dabei ihr Vorwärtskommen. Als es den Seldschuken gelang, die Nachhut der Kreuzfahrer zu überwältigen und deren Kommandeur, den Grafen Bernhard von Plötzkau, zu töten, brach Panik im Kreuzfahrerheer aus und die Seldschuken metzelten die ungeordnet Fliehenden nunmehr ungehindert nieder.

Erst Anfang November erreichte Konrad das sichere Nicäa, bis dahin hatte er den Großteil seiner Streitmacht verloren. Viele der Überlebenden waren verwundet worden, so auch Konrad.

Mit dem spärlichen Rest seiner Truppen traf Konrad in Lopadium am Rhyndakos mit dem Zug Ludwigs VII. zusammen, und die beiden marschierten gemeinsam an der Küste entlang. In Ephesus erkrankte Konrad und blieb zurück. Das Heer litt am regenreichen Winterwetter, wurde von den verbündeten Byzantinern nur mangelhaft versorgt und immer wieder von Seldschuken angegriffen. Nur wenige von ihnen erreichten Palästina, wo man sich mit den Truppen der Kreuzfahrerstaaten vereinigte..

In Akkon hielten nun am 24. Juni 1148 die Anführer des Kreuzzugs, König Konrad III. und König Ludwig VII. mit König Balduin III. von Jerusalem ein Konzil ab, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Das eigentliche Ziel des Kreuzzuges, das 1144 an Zengi gefallene Edessa zurückzuerobern, war bereits ausgeschieden. Nachdem Graf Joscelin II. die Stadt nach Zengis Tod 1146 kurzzeitig zurückerobert hatte, hatte Zengis Sohn, Nur ad-Din, Edessa fast vollständig zerstören und entvölkern lassen. Nach kontroverser Beratung einigte man sich schließlich darauf, Damaskus zu belagern. Eigentlich war Damaskus den Kreuzfahrern gegenüber neutral und ein Feind Nur ad-Dins, und zahlte sogar Tribut an die Kreuzfahrer. Allerdings erschien die Stadt auch als lohnendes Ziel, da sie wohlhabend und nah war und kein allzu starkes Militär hatte. Da eine Eroberung von Damaskus die muslimischen Reiche Asiens von denen in Afrika abschneiden würde, war sie auch ein strategisch interessantes Ziel.

Mitte Juli 1148 sammelte sich das größte Heer, das die Kreuzfahrer je im Orient aufgestellt hatten, in Tiberias. Mit dem Heiligen Kreuz an der Spitze marschierte das Heer zunächst nach Banyas und erreichte am 23. Juli Damaskus. Der dort residierende Emir Unur schickte einen Boten nach Aleppo, um Nur ad-Dins Hilfe zu erbitten. Während die ersten Hilfstruppen von Unurs Provinzstatthaltern eintrafen, hatten die Kreuzfahrer bereits die leicht befestigten Obsthaine westlich vor den Toren erstürmt. Die Kreuzfahrer entschieden sich, ihr Lager in ebendiesen Obsthainen aufzuschlagen, was für sie den Vorteil bot, dass dort Wasser und Nahrung ebenso unmittelbar verfügbar waren wie Bauholz für Belagerungsgeräte. Allerdings machten die unübersichtlichen Gräben und Sträucher die Kreuzfahrer hier anfällig für Hinterhalte und kleinere Überfälle. Da Unur fürchtete, Nur ad-Din wolle Damaskus an sich reißen, versuchte er zunächst, die Kreuzfahrer mit seinen eigenen Truppen abzuwehren. Die Kreuzfahrer wurden von einer heftigen Gegenattacke Unurs von den Mauern Damaskus zurück in die Obsthaine gedrängt und dort immer wieder von den leichten Einheiten Unurs attackiert, so dass sie sich schließlich entschieden, ihr Lager in die übersichtlichere Ebene vor der Stadt zu verlegen. Gleichzeitig verhandelte Unur auch mit der Führung des Kreuzzugs und bot Geld an. Unter den Kreuzfahrer-Fürsten entstand zudem eine Auseinandersetzung darüber, wer in Damaskus nach der Eroberung herrschen solle. Als bekannt wurde, dass Nur ad-Dins Heer von Homs aus anrückte, wurde die Belagerung schließlich schon nach nur vier Tagen abgebrochen.

Der Zweite Kreuzzug endete als komplette Katastrophe. Die Kreuzfahrer-Fürsten warfen sich gegenseitig die Schuld für das Scheitern der Belagerung vor. Konrad III. zog mit seinem Heer nach Askalon, um diese Stadt von den ägyptischen Fatimiden zu erobern. Die Eroberung Askalons hätte wie Damaskus die muslimischen Reiche Asiens von denen in Afrika abschneiden können. Auf Grund des herrschenden Misstrauens folgten ihm allerdings weder die Franzosen noch die Kreuzfahrerstaaten, und aufgrund der erlittenen schweren Verluste bei der Durchquerung Kleinasiens war sein deutsches Kontingent nicht stark genug alleine die Belagerung aufzunehmen. So kehrten die Kreuzfahrer nach Europa zurück ohne etwas erreicht zu haben.

Auch Damaskus vertraute den Kreuzfahrern nicht mehr und unterwarf sich später Nur ad-Din. Dieser kam dadurch dem Ziel der Vereinigung der Muslime und der Vertreibung der Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land einen Schritt näher. Im April 1149 kehrte Ludwig VII. nach Frankreich zurück ohne etwas bewirkt zu haben. 

Der unüberlegte Angriff auf Damaskus führte dazu das sich der Islam immer stärker zusammenschloss und die Kreuzfahrerstaaten massiver angriffen, während auf christlicher Seite immer deutlicher wurde dass sich die nationalen Interessen der Kreuzfahrer nicht mit der universalen Idee der Kreuzzüge in Einklang bringen ließen. So haben Unstimmigkeiten zwischen Ludwig VII. und Konrad III. zu einem nicht unerheblichen Teil dazu geführt das der zweite Kreuzzug komplett scheiterte. Insbesondere das Bündnis Ludwigs mit dem Normannenherzog Roger II. von Sizilien sorgte für Spannungen da Roger erst kurz zuvor Süditialien von Byzanz erobert hatte aus Sicht von Byzanz also genauso ein Gegner war wie die islamischen Angreifer im Süden. Konrad hingegen fühlte sich als Schwager des Kaisers dem Byzantinischen Reich verbunden. Die Kreuzzugsbegeisterung sank nach dem gescheiterten zweiten Kreuzzug in Europa stark. Erst als die Bedrohung für die Kreuzfahrerstaaten immer akuter wurde und schließlich im Jahre 1187 Jerusalem wieder an die Moslems fiel waren wieder zahlreiche Christen bereit das Kreuz zu nehmen.