Hrolf Kraki



64. Ein König in Dänemark hieß Hrolf Kraki und war der berühm­teste aller Könige der Vorzeit, dazu der mildeste, kühnste und leutse­ligste. Ein Beweis seiner Leutseligkeit, die in alten Sagen sehr berühmt ist, war dies. Ein armer Bursche, Wögg genannt, kam einst in König Hrolfs Halle, als der König noch jung an Jahren und von zartem Wüchse war. Da blieb Wögg vor ihm stehen und sah ihn an. Da sprach der König: Was willst du damit sagen, junger Gesell, daß du mich so ansiehst? Wögg antwortete: Als ich daheim war, hörte ich sagen, König Hrolf in Hieidra sei der größte Mann in den Nord­landen; und nun sitzt hier auf dem Hochsitz eine kleine Krähe (Kraki), die nennen sie ihren König. Da versetzte der König: Du Gesell hast mir einen Namen gegeben, und ich werde Hrolf Kraki heißen; es ist aber Gebrauch, daß dem Namen eine Gabe folge. Weil ich nun sehe, daß du kein Geschenk hast, das du mir zu diesem Namen geben könntest oder sich für mich schickte, so soll dem anderen geben, der da hat. Da zog er einen Goldring von der Hand und gab ihm den. Da sprach Wögg: Du gibst als der beste aller Könige; darum gelob ich dir, ich will des Mannes Mörder sein, der dein Mörder wird. Da sprach der König lachend: Über wenig wird Wögg froh.

Ein anderes Beispiel erzählt man von Hrolf Krakis Kühnheit. In Upsala herrschte ein König, Adils genannt, der Yrsa, Hrolf Krakis Mutter, zur Frau hatte. Er war in Unfrieden mit dem König von Norwegen, der Ali hieß. Sie kämpften miteinander auf dem Eise des Sees, der Wänir heißt. Da sandte König Adils Boten zu Hrolf Kraki, seinem Stiefsohn, daß er ihm zu Hilfe käme, und versprach seinem ganzen Heer Sold, solange die Fahrt währte. Und der König selber sollte drei Kleinode erhalten, die er aus Schweden wählen würde. Aber Hrolf Kraki konnte ihm nicht zuziehen wegen des Krieges, den er mit den Sachsen hatte. Doch sandte er ihm seine zwölf Berserker. Darunter waren Bödwar, Biarki und Hialti der Kühne, Hwitserk der Mutige, Wöttr, Widseti und die Brüder Swipdag und Beigudr. In diesem Krieg fiel König Ali und ein großer Teil seines Heers. Da nahm König Adils dem Toten den Helm Hildiswin und seinen Hengst Hrafn. Da verlangten die Berserker Hrolf Krakis jeglicher drei Pfund Gold zu Lohn und überdies die Kleinode, die sie für Hrolf Kraki gewählt hatten und ihm nun zu bringen verlangten. Das war der Helm Hildigölt, der Panzer Finnsleif, an dem kein Schwert haftete, und der Goldring, der Swiagris hieß und von Adils Vorfah­ren herkam. Aber der König weigerte alle diese Kleinode und be­zahlte auch nicht einmal den Lohn. Da fuhren die Berserker heim und waren übel zufrieden. Sie berichteten dies dem König Hrolf, der sich sogleich bereit machte, gen Upsala zu fahren, und als er mit seinen Schiffen in den Fyrifluß kam, ritt er gen Upsala, und seine zwölf Berserker mit ihm, die da friedlos waren. Yrsa, seine Mutter, empfing ihn und folgte ihm zur Herberge, aber nicht zu des Königs Halle. Da wurden große Feuer für sie angezündet und Ael wurde zum Trinken gereicht. Da kamen König Adils Mannen herein und trugen Scheite ins Feuer und machten es so groß, daß Hrolf und den Seinen die Kleider brannten, und fragten, ob das wahr sei, daß Hrolf Kraki und seine Berserker weder Feuer noch Eisen scheuten. Da sprang Hrolf Kraki auf mit allen den Seinigen und rief:

Laßt uns mehren die Glut in Adils Gemach.

Da nahm er seinen Schild und warf ihn ins Feuer und lief über das Feuer, während der Schild brannte, und rief:

Der fürchtet kein Feuer, der drüber fährt. So taten auch seine Mannen einer nach dem anderen.

Darauf nahmen sie die, welche das Feuer geschürt hatten, und warfen sie hinein. Da kam Yrsa, gab Hrolf Kraki ein Hirschhorn mit Gold gefüllt und darin den Ring Swiagris, und bat ihn, fortzureiten zu seinem Heer. Da sprangen sie auf ihre Pferde und ritten fort über Fyrisfeld. Da sahen sie, daß König Adils ihnen mit seinem Heer nachritt in voller Rüstung und sie töten wollte. Da nahm Hrolf Kraki mit seiner Rechten Gold aus dem Hörn und streute es auf den Weg. Als die Schweden das sahen, sprangen sie von den Sätteln und jeder nahm, was er bekommen konnte. Aber König Adils gebot ihnen zu reiten und ritt selber aus aller Macht. Sein Pferd hieß Slungnir, das schnellste aller Pferde. Als Hrolf Kraki sah, daß König Adils ihn schier erritten hatte, nahm er den Ring Swiagris, warf ihn ihm zu und bat ihn, den als eine Gabe zu nehmen. König Adils ritt nach dem Ringe, hob ihn mit dem Speer auf und ließ ihn an den Griff nieder­gleiten. Da wandte sich Hrolf Kraki, und als er sah, wie sich jener bückte, sprach er: Wie ein Schwein gebogen hab ich nun den, wel­cher der reichste in Schweden war. Und also schieden sie. Darum heißt das Gold Krakis Saat oder Samen von Fyrisfeld.

 



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