Über Hel



Hel ist sowohl der Name der Unterwelt in der germanischen Mythologie, als auch ihrer Herrscherin.

Hel als Totengöttin ist die Tochter von Loki und der Riesin Angrboda und hat noch zwei weitere Geschwister: den Fenriswolf und die Midgardschlange. Ihre Haut ist zur einen Hälfte von normaler Hautfarbe und zur anderen blau-schwarz.
Zusammen mit ihren beiden Geschwistern wurde sie von den Asen nach Asgard gebracht, da die Götter sich vor den Kindern Lokis fürchteten. Während der Fenriswolf an ein Seil gebunden wurde und die Mitgardschlange von Thor ins Meer geworfen wurde, verbannte man Hel aus Asgard und sie ging nach Norden, wo sie ihr eigenes Reich gründete.
Dort holt sie alle diejenigen zu sich, die eines natürlichen Todes sterben, während die im Kampf gestorbenen nach Walhall an Odins Tafel kommen. Vor diesem Schicksal sind auch die Götter nicht gefeit, wie am Tode Baldurs gezeigt wird.

Hel ist die Göttin der Toten und in der Edda eine Tochter von Loki und der Riesin Angurboda, gehört also nach dieser Abstammung zu den Jöten und wird auch nie zu den Asinnen gezählt. Dennoch ist sie eine Göttin, denn das Reich der Göttinnen umfaßt Leben und Tod. So ist auch die freundlichste unter den lebensspendenden Vanengottheiten, Freyja, zugleich Kriegerin und Herrin über den Tod, die die Hälfte der gefallenen Krieger in ihren Palast Folkvangr aufnimmt (die andere Hälfte geht zu Odin nach Valhall). Ins Totenreich der Hel wandern nach der Edda-Überlieferung die Seelen derjenigen, die den "Strohtod", also auf dem Strohsack eines natürlichen Todes gestorben sind. Es gibt aber auch Überlieferungen, wonach alle Toten, auch die größten Helden und sogar Baldur, ins Reich der Hel eingehen.

Hels Name (altdeutsch Hella) hängt mit verhehlen zusammen, bezieht sich also nur auf die verborgene Existenz der Toten und hat keinerlei negative Bedeutung. Erst in christlicher Zeit wurde das Totenreich, das wie seine Herrscherin Hel heißt, zur Hölle im Sinn der hebräischen Mythologie – mit dem Hintergedanken, alle toten Heiden, die wie Baldur zur Hel gingen, posthum zur Hölle zu schicken. Auch die Edda beschreibt Hel als ein Reich der Finsternis und des Schreckens, doch diese Beschreibungen dienen nicht zur Schürung künstlicher Ängste, die unbotmäßige "Gläubige" gefügig machen sollen, sondern stellen einfach die natürlichen Schrecken des Todes dar, die er nun einmal hat und die unsere Religion erst gar nicht zu leugnen oder zu beschönigen versucht. Wie die Nornen wird Hel respektiert, aber nicht mit Riten verehrt.

Heidnische Jenseitswelten
Das Reich Hel ist eine von mehreren mythischen Visionen, die das Heidentum über das Weiterleben nach dem Tod hervorgebracht hat. Eine andere ist, wie erwähnt, die Aufnahme in die jenseitigen Reiche Odins und Freyjas, sehr verbreitet ist auch der Glaube an die Wiedergeburt, der in zahlreichen Sagas belegt ist, und das Bewußtsein, daß man in den Nachkommen (was ja kein Glaube, sondern biologisches Faktum ist) und in der Erinnerung weiterlebt. Ein alter indogermanischer Glaube ist die Wiedergeburt in einem direkten Nachkommen. Daher wurden bei Germanen und Griechen Kinder oft nach einem verstorbenen Vorfahren benannt.

Diese Vielfalt mag jemanden irritieren, der nach einer eindeutigen Antwort sucht, es hat aber einen guten Grund, warum das Heidentum diese Antwort scheinbar schuldig bleibt: Wir machen uns nichts vor – der Tod ist Hel, das Verborgene. Er gibt sein letztes Geheimnis nicht preis. Wir können es nur erahnen und respektieren, daß es ein Geheimnis bleibt, dem wir uns auf verschiedene Weise nähern, das wir aber niemals ausloten können. Deshalb haben alle verschiedenen Visionen ihre Berechtigung, ihre Wahrheit und sogar ihre Notwendigkeit: Einem Mysterium, das unser Begreifen übersteigt, können wir uns nicht auf einer Einbahnstraße nähern. Es kann nur viele Wege geben, die verschieden sein können und auch müssen.

Eines haben aber alle heidnischen Jenseitsvisionen gemeinsam: Sie haben nichts mit Lohn oder Strafe zu tun, und sie sind nicht dazu da, daß man das diesseitige Leben nach ihren ausrichtet. Weiterleben ist keine moralische Einrichtung, sondern ein Teil des ewigen Kreislaufs von Werden und Vergehen, in dem es den Tod geben muß, damit es Leben gibt. Und das ist am wichtigsten. Im Heidentum geht es vor allem um das Leben vor dem Tod. Es will uns weder Ängste noch Hoffnungen machen, sondern lehren, das Leben zu lieben und den Tod nicht zu fürchten



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