Bekleidung Birka

Wikingische Kleidung, jedenfalls die Grundausstattung, war aus Stoff gefertigt, oberstes Prinzip war Zweckmäßigkeit. Die Männer trugen Hosen, die entweder lose herunterhingen ( wie heutige Herrenhosen ) oder mit dem Fuß verbunden waren ( wie Skihosen). Auch Pumphosen oder Kniebundhosen existierten sehr wahrscheinlich. Darüber trug man(n) eine Tunika. Die Frauen trugen Kleid und Trägerkleid.

Basierend auf dem Buch von Agnes Geijer Birka III "Die Textilfunde aus den Gräbern" soll hier nun ein wenig auf die Kleidung der svealändischen Region Birka eingegangen werden. Unsere Interpretationen davon könnt ihr in der Rubrik 'Über uns' sehen.

Die Kleidung des Frühmittelalters bestand hauptsächlich aus Wolle, Leinen oder Hanf. Seide wurde aus dem Osten eingeführt und wurde in 45 Gräbern in Birka gefunden und war damit gar nicht so selten. Es sind aber nur recht kleine Seidenstücken erhalten geblieben. Daraus lässt sich schließen, dass Seide wohl hauptsächlich als Zierbesatz verwendet wurde. (Quelle: Birka III, Die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer, Kapitel 5)

Laut Agnes Geijer waren die Leinenkleider größtenteils naturfarben oder weiß, auch wenn es natürlich verwitterungsbedingt eher sehr schwierig ist verlässliche Informationen über die verwendeten Farben zu bekommen. Es wurden auch einige blaue Stoffe gefunden und es ist ein kleines Fragment eines kleinkarierten Stoffs mit blauen und grünen Fäden, die sich mit roten und weißen Fäden abwechseln, erhalten geblieben. (Quelle: Birka III, Die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer, Kapitel 2)

Die aus den natürlichen Färbemitteln am häufigsten erzielten Farben waren wohl Gelb-, Braun-, Grün- und Orangetöne. Diese Farben erhält man, wenn man mit Walnussschalen, Zwiebelschalen, sowie Wurzeln oder Blätter färbt. Wesentlich schwieriger und aufwändiger war die Herstellung von blauer Farbe mittels Färberwaid und roter Farbe aus wahrscheinlich Krappwurzeln. Dies ist wohl auch der Grund, warum es eher wenig Funde in diesen beiden Farben gibt. So gut wie unmöglich zu färben war Schwarz. Bestenfalls erzielte man durch mehrere Farbgänge ein sehr dunkles Blau oder Grau aus z. B. Eichenrinde. (Quelle: Birka III, Die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer, Kapitel 3)

Genaue Rekonstruktionen der damaligen Mode und der daraus resultierenden Kleidung und Trageweise derselben lassen sich auf Grund der wenigen Fundstücke leider nicht erstellen. Es sind leider lediglich Annahmen und Vermutungen möglich. Die Frauenbekleidung wird von Agnes Geijer als weniger schmuckreich und uniformer, als die Männerbekleidung beschrieben. Auch finden sich in den Männergräbern ein Großteil der Goldfunde, sowie eine wesentlich größere Schmuckvielfalt gegenüber den Frauen. Silber und Seide wiederum fand man in gleichem Ausmaß in Frauengräbern. (Quelle: Birka III, Die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer, Kapitel 12)

Zur Kleidungsgrundausstattung der Frau gehörte mindestens eine glatte oder auch plissierte Untertunika aus Leinen deren Grundschnitt einem langen Hemd mit seitlich eingesetzten Keilen (manchmal auch in der Mitte sowie unter den Achseln) entsprach. Auf zeitgenössischen Bildsteinen erkennt man, dass das Untergewand möglicherweise gefältelt war und bis zu den Füßen reichte.

Über der Untertunika wurde ein Trägerrock aus doppeltem Leinenstoff getragen. Wolle oder Seide wurden seltener verwendet. Agnes Geijer beschreibt das Frauengewand anhand der Darstellung auf Bildsteinen als ein fußlanges schleppendes Kleid im Sinne eines Hängerockes. Die auf einem Bild zu sehenden Querstreifen können als Seidenborte oder als das unter dem etwas kürzeren Trägerrock hervorschauende plissierte Untergewand interpretiert werden. Es fehlen jedoch eindeutige Belege für die tatsächliche Länge der Kleidungsstücke.

Agnes Geijer schlägt zwei mögliche Schnitte eines Hängerocks vor. Einmal eine "Röhre" mit Schulterträgern, welche nach unten breiter wird. Zum anderen eine lange rechteckige Stoffbahn mit Trägern, welche vorne überlappend geschlossen wurde. Belegt ist, dass die Träger lose waren und am vorderen Rand des Trägerrockes mit einer kurzen und vom Rücken über die Schulter kommend mit einer größeren Schlaufe für die Broschen oder Fibeln zum Befestigen versehen waren, was eher für eine offene Variante des Trägerrocks spricht, da solche Schlaufen bei einem geschlossenen Rock eher wenig Sinn machen. Auf bildlichen Darstellungen fällt das Kleid gerade und es ist keine Taille zu erkennen. Daher ist davon auszugehen, das keine Gürtel getragen wurden. Solche fehlen auch in den Frauengräbern.

Bei den Mänteln der Frauen ist nicht sicher belegt, ob es sich schlicht um eine lose übergeworfene Wolldecke (Rechteckmantel) oder um ein geschneidertes Kleidungsstück gehandelt hat. Denn es wurden nur geringe Reste des Wollgewebes auf den Fibeln des darunter liegenden Trägerrocks gefunden. Teilweise befanden sich Randsäume und Zierschnüre an den Kanten der Mäntel. Auch fanden sich einzelne Spangen zwischen den beiden Trägerrockfibeln, die möglicherweise eine solche Decke hätten zusammenhalten können. Darstellungen von Frauen auf einigen Runensteinen und Schmuckanhängern sprechen für diese Annahme. (Quelle: Birka III, Die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer, Kapitel 12)

Was die Bekleidung der Männer angeht, sieht es mit der Fundlage schon schlechter aus. Agnes Geijer nimmt an, dass eine etwa knielange eventuell sogar mit bronzenen Knöpfen geschlossene Tunika, einem Leibriemen zusammengehalten getragen wurde. Belege dafür hat sie dafür aber keine gefunden. Belegt wiederum sind einfache Gürtelspangen und zwei reich beschlagene Gürtel aus Funden. Es wurden auch Prachtgewänder gefunden, bei welchen sich auf der Brust quer verlaufende Brettchenborten als Zierde befanden.

Auch für Hosen gibt es außer der Thorsberghose kaum Belege. Auf einigen Runensteinen in z. B. Ire, Lillbjaesi oder Halla, sieht man Hosen mit geradem Schnitt, aber auch Abbildungen welche Pluderhosen darstellen könnten. Die Existenz von Wadenwickeln lässt sich von einem Paar gefundener Tierkopfhaken, mit welchen um die Beine gewickelte lange Stoff- oder Wollstreifen befestigt werden können, ableiten. (Interessante Details findet man auf der Seite von Hilde Thunem --> Viking men trousers

Die Mäntel der Männer scheinen ähnlich wie die der Frauen gewesen zu sein. Nur die Lage der zumeinst Hufeisen- oder Ringfibeln, mit welchen der Mantel geschlossen und gehalten wurde variiert. Eventuell wurde der Mantel den Toten einfach nur mit ins Grab gelegt. (Quelle: Birka III, Die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer, Kapitel 12)

Kopfbedeckungen kommen sowohl bei der weiblichen, wie auch der männlichen Kleidung vor. In manchen Frauengräbern fand man schmale brettchengewebte Bänder, welche um die Stirn getrage wurden oder evtl. als Abschlussborten von Käppchen dienten, wobei die Bandenden teilweise bis auf die Schulter herab hingen.

Bei den Männern wurde ebenfalls Bandreste auf Stirnhöhe gefunden. Daran erhaltene Reste von Seidenstoff weisen darauf hin, dass es sich eventuell um Mützen gehandelt hat. Welche Formen diese Mützen hatten lässt sich auf Grund der schlechten Fundlage nicht bestimmen. (Quelle: Birka III, Die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer, Kapitel 12)

Allerdings fand man in den Gräbern 581 und 644 je eine Silberspitze, die nach ihrer Machart nur als Verwendung als Spitze eines Mützenzipfels Sinn machen. Aus diesen "Mützenspitzen" wurde dann die heute in der Szene so beliebte sogenannte Rusmütze rekonstruiert.

Als Verzierung der Kleidungsstücke dienten Fellbesätze, Brettchenborten, Wollschnüre, Kordeln, Posamente, Stickereien und natürlich Schmuck. Felle von Schafen, Eichhörnchen, Biber und Marder sind durch Grabfunde belegt, wobei die Schafsfelle um die Schulter getragen wurden. (Quelle: Birka III, Die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer, Kapitel 11, Grab Nr. 507,557,539.619,956,968)

Brettchengewebte Borte wurde recht häufig gefunden, nämlich in 60 von 170 Gräbern. (Quelle: Birka III, Die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer, Kapitel 12)

Auch wenn die Rekonstruktion auf Grund der durch starke Vermoderung veränderten Lage schwierig ist, fanden sie wahrscheinlich Verwendung bei der Verzierung von Mützenrändern, Hausausschnitten, Ärmeln und Säumen.

Wollschnüre und bunte Kordeln, welche aus Fadenresten bestanden wurden ebenfalls zur Aufwertung von Kleidungsstücken genutzt. (Quelle: Birka III, Die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer, Kapitel 3, Grab 838)

Teilweise wurden Borten aus Leinen- und/oder Wollfäden und solche aus importierter Seide mit Silber- und Goldfäden durchwirkt. Dabei wurden dünne Drähte des jeweiligen Metalls um einen zumeist aus Seide bestehenden Stützfaden gewickelt und oftmals nach dem Weben noch mit einem Hammer bearbeitet. Letzteres verstärkte den Metallglanz.

Aber auch ohne textile Borten wurden kunstvoll verschlungene und auch figürliche Drahtgeflechte aus Gold- oder Silberspiraldrähten, sogenannte Posamente, zur Zierde eingesetzt. (Quelle: Birka III, Die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer, Kapitel 6)

Von Stickereien mit textilen Fäden ist leider nur wenig erhalten. Grundstiche wie der Stielstich (Quelle: Birka III,Die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer, Kapitel 3, Grab 838)

Schlingen- und Ösenstich fanden mit Silber- und/oder Golddrähten ausgeführt zur Verzierung von Ausschnitten und Säumen Verwendung. (Quelle Birka III, Die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer, Kapitel 9)

Als Zierde in Stickereien eingenäht wurden auch kleine Gold- und Silberblechplättchen verwendet. (Quelle: Birka III, Die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer, Kapitel 6)

Aus Knochen, Holz und Bernstein wurden Perlen geschnitzt aus denen dann Ketten gefertigt wurden. Ebenso aus aufwändig gedrehten Glasperlen oder fein gearbeiteten Bronze- oder Silberperlen. Ebenso wurden Halbedelsteine wie Achat, Bergkristall u. ä. zur Schmuckherstellung genutzt. Zwischen den obligatorischen Rund- oder Schildkrotenfibeln der Frauen, welche zur Befestigung der Rockträger dienten konnten solche Perlenreihen befestigt werden und auch um Hals und Handgelenke trug man Schmuck, wie z. B. geflochtene Reifen aus Bronze- oder Silberdraht. Auch kleine Anhänger aus Gold- oder Silberdraht wurden ebenso gefunden, wie kleine Figuren, die eventuell an einer Kette getragen wurden. Die Fibeln hatten aber auch einen praktischen Nutzen. So wurden Gegenstände wie Messer, Scheren, Nadelbehälter, Ohrlöffel, Pinzetten und Beutel mit verschiedenem Inhalt zumeist an der rechten Fibel befestigt. (Quelle: Birka III, Die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer, Kapitel 12)

Schuhe wurden in Birka nicht gefunden, weswegen sich der geneigte Darsteller aus Birka sich mit Schuhformen aus anderen Funden, wie z. B. Haithabu, Ribe oder York behelfen muss.



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