Über Birka


Im 8. Jahrhundert n. Chr. wurden in den nördlichen Randgebieten des christlichen Europas mehrere Handelszentren gebildet, zuerst Ribe auf Westjütland und Staraja Ladoga im heutigen Russland, danach Hedeby (Haithabu) und Birka, das etwa 790 n. Chr. auf der Insel Björkö im Mälarensee gegründet wurde. Auf der benachbarten Insel Adelsön wurde ein Königshof gebaut. Birka wird gemeinhin als Schwedens erste Stadt bezeichnet, worauf dabei hinzuweisen ist, dass es zur Zeit Birkas in Skandinavien weder ein staatenähnliches Gebilde namens „Schweden“ gab, noch „Städte“ im heutigen Sinne, bekannt war hingegen das Siedlungsgebiet der Svear.

Die Handelswege im nördlichen Europa dieser Zeitepoche verliefen hauptsächlich auf dem Wasser, daher war die Lage Birkas ideal. Der Platz lag relativ gut geschützt im Mälaren, der damals noch eine Bucht der Ostsee war, infolge der postglazialen Landhebung heute jedoch einen fünf Meter niedrigeren Wasserstand aufweist. Wichtige Wasserwege führten an der Insel vorbei und durch die Meerengen bei den heutigen Städten Stockholm und Södertälje hinaus in die Ostsee. Die Gründung des Handelsplatzes diente einerseits der Erweiterung, andererseits der Kontrolle des Handels im Ostseegebiet. Der Handel war hauptsächlich ein Tauschgeschäft und zum Tausch boten die Händler Birkas den heimischen Bernstein an, den es reichlich am Mälaren gab, aber auch Pelze und Geweih sowie Eisen aus dem heutigen Bergslagen, das von guter Qualität war. Funde haben gezeigt, dass unter anderem Silbermünzen, die eingeschmolzen zu Schmuck verarbeitet wurden, Glasperlen und Glasbecher sowie Seidenwaren, Gewürze und Tongefäße auf langen Reisen eingetauscht oder geplündert wurden. Sie kamen aus weit entfernten Gegenden, in der Frühzeit Birkas hauptsächlich aus den arabischen Ländern, später aus Süd- und Westeuropa.



Birka

Modell von Birka im Historischen Museum in Stockholm



Welche Waren für die Entwicklung Birkas wichtig waren ist unklar, aber man nimmt an, dass es sich in erster Linie um Eisen, danach um Pelze und möglicherweise um Geweihe und Bernstein handelte. Ungefähr 200 Jahre lang war Birka ein Handelsplatz für ganz Nordeuropa. Die Stadt hatte in ihrer Blütezeit etwa 700–1.000 Einwohner. Der König war der Garant dafür, dass die Kaufleute und ihre Schiffe mit bewaffneter Mannschaft sicher im Mälaren fahren und ihre Waren in Birka handeln konnten. Für Recht und Ordnung sorgte ein Thing, an dem alle freien Bürger teilnehmen durften.

Aus schriftlichen Quellen geht hervor, dass der Mönch Ansgar im Jahr 830 nach Birka kam, um das Christentum zu verbreiten. Er verbrachte anderthalb Jahre in Birka, mit bescheidenem Resultat, einige Einwohner – meist aus den unteren Schichten – ließen sich taufen. Eine zweite Missionsreise im Jahr 852 war noch weniger erfolgreich. Der letzte christliche Priester auf Birka, Bischof Unni, verstarb laut Adam von Bremen im Jahr 936, er wurde in Birka begraben. Birka wurde nie eine christliche Stadt.

Ende des 10. Jahrhunderts haben die Menschen Birka verlassen, warum ist immer noch unklar. Es sind keine Spuren von Plünderung oder Brand der Stadt Birka entdeckt worden, nur die benachbarte Burg brannte ungefähr zu dieser Zeit. Gleichzeitig wurde am Mälaren auf dem Festland an der Fahrstraße nach Alt Uppsala eine neue Stadt angelegt, das von Erik Segersäll 970 gegründete Sigtuna, das Birkas Rolle als Handelsplatz übernahm. Im Gegensatz zu Birka war Sigtuna von Anfang an eine christliche Stadt, in der König und Kirche zusammenarbeiteten.

(Wikipedia, Stand 09/12)