Begriffe aus der RUS

Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Erklärungen aus folgender Quelle.

Karla Günther-Hielscher, Victor Glötzner, Helmut Wilhelm Schaller - Real- und Sachwörterbuch zum Altrussischen, neu bearbeitet von Ekkehard Kraft, Harrassowitz Verlag Wiesbaden, 1995 ISBN 3-447-03676-1



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A




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B


Beloberež'e

Gebiet am Schwarzen Meer unterhalb der Dneprstromschnellen, wie aus dem Vertrag Igors mit Byzanz von 944 und den Beschreibungen des Feldzuges Svjatoslavs hervorgeht. Svjatoslav wurde 972 auf der Rückkehr von Bulgarien von den Pečenegi überfallen und getötet.



Beren'dei (Beren'diči)

Russische Bezeichnung für ein nomadisierendes Turkvolk in den Steppen nördlich des Schwarzen Meeres. Durch die Polovcy vertrieben, lebten sie seit dem Ende des 11. Jh. innerhalb der Grenzen der Kiewer Rus, wo sie bei den russischen Fürsten um Schutz nachsuchten, in deren militärischen Dienste sie traten. Sie wurden an den südlichen Grenzen der Rus angesiedelt, die sie gegen Angriffe verteidigten, nahmen aber auch an innerrussischen Auseinandersetzungen im Gefolge der gegeneinander Krieg führenden Fürsten teil.



Birič

(birjuč, birčij')

Der Birič war vom 10. bis 17. Jh. ein Ausrufer, Herold oder Gerichtsdiener Seine Aufgabe war es, die Erlasse der Herscher durch Ausrufen bekanntzumachen, sowie Ladungen und Aufforderungen vorzunehmen. Im Gerichtswesen war er Vorlader, ähnlich dem Detskij (siehe dort) oder Gefängnisaufseher im Rang unter dem Jabetnik. Es gab sie nicht nur bei den Fürsten, sondern bei allen leitenden Amtspersonen, wie z. B. dem Namestnik (vom 14. - 16. Jh. Statthalter/Stellvertreter des Fürsten), Voevoda (siehe dort), oder Starosta (siehe dort). Bekanntmachungen musste der Birič auf menschenreichen Plätzen mehrmals an verschiedenen Tagen ausrufen.



Bojarin

(boljarin, bojarec, boljarec)

Die Bojaren waren in der Kiever Rus zunächst ganz allgemein Adlige, Große, Magnaten, bevorrechtete Personen, eben die Oberklasse im Gegensatz zu dem ebenfalls freien, aber einfachen Volk (ljudi. Sie waren die beiden Personengruppen, aus denen sich im 11. Jahrhundert der einheitliche, altrussische Adel bildete, nämlich die Angehörigen der fürstlichen Gefolgschaft (Družina) einerseits und die alte bodenständige Land- und Stadtaristokratie andererseits.

Die Bezeichnung der gesamten Družina als Bojarin war aber mehr zur Abhebung von der breiten, ausserhalb der Gefolgschaft stehenden Bevölkerung gemeint. Innerhalb der Družina galten bald nur die Angehörigen der höheren Schicht als Bojaren. Die Angehörigen der zunächst nicht zu den fürstlichen Gefolgsleuten zählenden, grundbesitzenden eingesessenen Aristokratie hießen auch Bojaren. Im 11. Jahrhundert verschmolzen beide Bojarengruppen, indem die fürstlichen Gefolgsleute zunehmend Grundbesitzer wurden und die alte Aristokratie in fürstliche Dienste trat.

Damit entfiel jedoch nicht die angelegte Unterscheidung von Bojaren im Sinne des Amtsstandes, d.h. Bojaren, welche den Fürsten in hohen Ämtern dienten, und den Bojaren im weiteren sozialen Sinne einer wohlhabenden, Land und Leute besitzenden Schicht.

In der Bedeutung des Grundherrn löste Bojarin die alter Kiever Bezeichnung ogniščanin ab. Eine geschlossene ständische Korporation und ausgeprägte Privilegien haben die Bojaren nicht gehabt. Sie waren jedoch strafrechtlich durch doppeltes Wergeld und doppelte Buße (vira und prodaža) besonders geschützt.

Im übrigen gab gerade zur Erlangung eines hohen Amtes die Geburt keine Ansprüche, sondern nur eine tatsächliche Vorgabe. Auch die Bojarenkinder (deti bojarskie) mussten sich daher in den Bojarenstand empordienen, was vielen nicht gelang.

Die Bojaren spielten im politischen und sozialen Leben eine große Rolle. Im Westen (Fürstentum Galič) waren sie im 12. - 14. Jahrhundert sogar die führende Kraft vor dem Fürsten und vor dem Volk.



Bortnik

(Imker/Bienenzüchter)

Die Bortnik, beschäftigt mit der Bienenzucht, Honigsammeln und der Wachsherstellung, waren eine für die Herrscher sehr wichtige Gruppe der vol'nye slugi die auf dem Land des Großfürsten lebten. In wirtschaftlicher Hinsicht waren sie für den Herrscher von ausserordentlicher Bedeutung, da sie eine wichtige Einnahmestelle darstellten.



Bratčina

Gemeinschaft, Bruderschaft, Artel mit dem Recht der Selbstjustiz, das sich bis zum Ende des 17. Jahrhunderts hielt.

An der Spitze der Bratčina stand ein gewählter Starosta, der die wirtschaftlichen Verhältnisse der Bratčina überwachte und für Ordnung während der gemeinsamen Mahlzeiten zu sorgen hatte. Strafrechtliche Angelegenheiten lagen allerdings ausserhalb der Befugnisse der Bratčina.



Bron'

Bron' heisst Brünne und bezeichnet ein Panzerhed aus miteinander verbundenen Eisenringen. Sie wurde zum Schutz gegen Hieb- und Stichwafen in Rußland bereits seit dem 10. Jahrhundert verwendet. Ab dem 16. Jahrhundert wurde die Bezeichnung Kol'čuga für die Kettenpanzer verwendet.



Bulava

Keule, Hiebwaffe/Mace mit einem Griff von 1/2 bis 1 m.

In der Kiewer Rus wurde die Bulava seltener verwendet, im Russland des 14. bis 16. Jh. allerdings ziemlich häufig.


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C


Čeln

auch Čelnok ist ein kleiner trogförmiger Kahn, meist ohne Kiel, mit stumpfen Heck.

Der Čeln wurde aus einem ganzen Stück eines Baumstammes herausgeschlagen oder auch herausgebrannt, in späterer Zeit auch aus Brettern zusammengesetzt. Er fand als Verkehrsmittel auf den Flüssen Verwendung.


Chorom

Großes hölzernes Wohnhaus, bzw. ein aus mehreren Gebäuden bestehender Wohnkomplex im Schloß. Mit Palata/Polata wurden dagegen steinerne Wohnbauten bezeichnet.


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D


Druzina

Druzina (urverwandt mit ahd. trucht "Kriegerschar", "Gefolge") Gefolgschaft der Fürsten in der Kiever Rus des 10. - 12. Jh.

Die Gefolgsleute der Fürsten dienten als Ratgeber, bekleideten Ämter im Verwaltungs-, Gerichts- und Kriegswesen, stellten Leibwache und den Kern des Heeres dar. Neben dieser speziellen und wichtigsten Bedeutung konnte Druzina auch unspezifisch den Sinn einer "Schar" haben und gelegentlich die Gesamtheit des Volkes, das kriegerische Volksaufgebot oder rechtliche Gemeinschaftsverhältnisse bezeichnen.

Die Druzina im Sinne der fürstlichen Gefolgschaft scheint etwa aus 600 bis 800 Angehörigen bestanden zu haben. Sie war in zwei Gruppen gegliedert:

- die höhere, "ältere" Gefolgschaft (starsaja druzina, auch bol'saja "größere", perednaja druzina "vordere", pervaja "erste", lepsaja "bessere" genannt.)

- die niedere, "jüngere" Gefolgschaft (druzina molodsaja)

Die höheren Gefolgsleute waren die knjazie muzj im engeren Sinne und hießen seit dem 11. Jh. vorzugsweise Bojaren (bojarin). Sie waren die Berater der Fürsten und bekleideten die leitenden Ämter der Hof-, Zivil- und Militärverwaltung, etwa als voevode, tysjackij, posadnik oder tiun. Als Entgelt traten ihnen die Fürsten Abgabenrechte ab und wiesen ihnen Land als Eigentum zu.

Die niedere Druzina, auch grid genannt, umfasste die niederen höfischen, administrativen, gerichtlichen und militärischen Bediensteten, welche dem Fürsten aufwarteten, ihnen als Leibwache, aber auch als Tischgenossen dienten. Sie bestand vor allem aus jungen Angehörigen der vornehmen Familien, insbesondere der Bojaren. Aber auch Unfreie oder Halbfreie gehörten dazu, soweit ihnen, wie damals nicht unüblich, Ämter anvertraut waren.

Auch für den fürstlichen Statthalter (posadnik) von Nowgorod ist zu Anfang des 11. Jahrhunderts die Grid als bewaffnetes Gefolge bezeugt. Das wort Grid (auch grid'ba, dazu: gridin, grid; pl. gridi) ist wohl ein altes Lehnwort aus dem altnordischen grici "Genosse", "Leibwächter" (VASMER REW I.) KARAMZIN leitet es von schwedisch gred "Schwert" ab und SERGEEVIC sieht daher einen Zusammenhang zwischen gridin und mecnik ("Schwertmann").

An den Fürstenhöfen der Kiever Zeit gab es, abgeleitet vom Begriff Grid die Gridnica, eine große Halle, ein Empfangsraum oder Prunksaal, oft als selbständiges Gebäude. In der Gridnica fanden die Beratungen mit der Druzina, große Gastmähler und Empfänge statt.

Seit etwa 1200 hieß die niedere Gefolgschaft dvor, auch dvornye slugi, insbesondere aber dvorjane "Hof", bzw. Hofbedienstete, bzw. Höflinge.

Das Verhältni zwischen den Fürsten und den freien Gefolgsleuten beruhte auf persönlich-vertraglichen Beziehungen. Insbesondere mit den Bojaren wurden Verträge (rjady) geschlossen, auf Grund deren sie zusammen mit ihrer eigenen Gefolgschaft, die auch Druzina hieß, den Fürsten dienten, mit ihnen zu Felde zogen, sie beschützten und dergleichen mehr. Dafür wurden sie durch Ehrenerweise, Ämter, Ländereien und Privilegien belohnt. Eine Kündigung des Dienstes durch die Bojaren war möglich. Sie führte nicht zum Verlust der erworbenen Länderein, auch dann nicht, wenn der Kündigende in die Dienste eines anderen Fürsten übertrat. Diese Freiheiten wurden im Lauf der Zeit abgebaut und im Moskauer Staat zugunsten einer Dienstpflichtigkeit beseitigt, der die breite Schicht der zarischen Dienstleute unterlag.


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E



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F




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G


Gorod

Gorod bedeutet Stadt, Burgstadt, Festung. Die etymologische Bedeutung ist "umfriedeter", "umzäunter" Ort. Daher konnte Gorod anfänglich wohl auch einen befestigten Einzelhof oder eine Gruppe von Höfen bedeuten.

In der Kiever Zeit war Gorod seit dem 10. Jh. eine befestigte Stadt oder Burgstadt mit militärischen Anlagen und Gebäuden für den Hof des Fürsten (knjaz), seines Statthalters (posadnik) oder eines sonstigen Stadtverwalters nebst Kriegsgefolge und anderen Dienstleuten. Der Gorod diente in dieser Form vor allem als Schutz gegenüber den Steppenvölkern. Schon früh lehnten sich an diese Burgstädte ausserhalb ihrer Mauern Siedlungen von Händlern, Handwerkern und sonstigen Gewerbetreibenden, aber auch Bauern an. Diese Siedlungen hatten den Charakter einer Vor- oder Unterstadt und hießen zunächst Podol, seit dem 13. Jh. zunehmend Posad.

Der Gorod war auch Verwaltungsmittelpunkt für das umliegende Land. Dabei unterschied man zwischen den starsie goroda ("ältere Städte", Hauptstädte) und den prigorody ("Nebenstädte) oder mladsie goroda ("jüngere Städte").

Der starsie gorod war die Hauptstadt eines größeren Gebietes und den darin befindlichen Nebenstädten übergeordnet, die ihrerseits Mittelpunkte ihrer engeren Umgebung, der volosti (sgl. volost) waren. Die Hauptstadt war meistens stärker befestigt, als die Nebenstädte und daher auch für deren Bewohner Zufluchtsort.

Die typische Form des Gorod war die Burgstadt, welche Befestigungen, Behörden und Kirchen enthielt, weltliche und geistliche Herren mit ihren Dienstleuten beherbergte und von der gewerblichen Vorstädten (podol, später dann posad) umgeben war. Die befestigte innere Stadt hieß detinec oder grad, dnesnij, krom oder kreml. Der ausserhalb der Mauern liegende podol oder posad konnte seinerseits mit Holzumfriedung oder Eerdwall, mit äusserem Wasser- oder Pfahlgraben (castik, cesnok) umgeben sein. Aussen- und Innenmauer waren mit Türmen (veza, kostra) versehen, deren Zwischenraum prjaslo hieß. Auf der Mauer war ein Schutzaufbau (zaborolo) errichtet. Vor der Stadt gab es ein befestigtes Gelände für das Vieh (bolon`, bolon'e). Um die Stadt herum gruppierten sich ausser den posady Nebensiedlungen wie zasten'ja, okolotki, ochabni oder slobody.


Gorodčik

Beamter der Kiever Fürsten, der das Komando über die Stadtbefestigung führte und Anspruch auf Korm (= Unterhalt durch die Bevölkerung) hatte.


Gorodnik

Festungsbaumeister, Stadtbaumeister

In der Kiever Zeit leitender Baubeamter, Fachmann für Festungsbau, der im Rang über dem Mostnik (Brückenbaumeister) stand und die Festungsarbeiten leitete. Er war wahrscheinlich Angehöriger der Družina, bzw. der Novgoroder Oberschicht.


Gorožanin

Städter, Bürger

In der Kiever Zeit und der Epohe der Teilfürsten die Stadtbewohner, die vor allem aus Handwerkern und Kaufleuten bestanden und als Gegensatz zu den fürstlichen Gefolgsleuten (muž, knjažij) galten. Die Gorožanin waren auch die Teilnehmer an den Volksversammlungen (Veče)


Gospodin

Seit ältester Zeit Terminus zur Bezeichnung des Herrn im weitesten Sinne. Gospodin war der Eigentümer von Unfreien (Cholop), Haustieren und Sachen. Über den engeren Eigentumsbegriff hinaus wurde Gospodin auch in Beziehung auf Halbfreie (Zakup) und sonstige Befehlsunterworfene verwendet. Gospodin war jeder, der Befehle erteilen konnte und als Sklavenhalter und Grundbesitzer Macht hatte.

In kirchlichen Denkmälern des 11. - 14. Jahrhunderts wurde dagegen der Herr eines Ackers und des Gesindes (čeljad) mit Gospodar oder Gosudar bezeichnet. Diese Termini sind dann auch in offizielle weltliche Denkmäler eingegangen.


Gost'

Gost' (Gast, Fremder - nicht notwendig Ausländer -) waren in der Kiever Rus meistens Kaufleute, so dass Gosti zu einer Bezeichnung für Fern- oder Großkaufleute wurde. Gostit hieß daher 'Handel treiben'.

Neben Gost' gab es noch von Anfang an die Bezeichnung Kupec, die Kaufmann allgemein oder aber im im Gegensatz zu Gost' en mittleren und kleineren, weniger kapitalstarken, aber auch Fernhandel treibenden Kaufmann meinte. Die Gosti und die Kupcy bildeten schon in der Kiever Zeit eine Art Mittelstand zwischen den im Fürstendienst stehenden Bojaren und sonstigen Höflingen und Gefolgsleuten einerseits und den landarbeitenden Bauern sowie kleingewerbetreibenden Händlern und Handwerkern andererseits.

Die reisenden Kaufleute der damaligen Zeit trugen Waffen und waren gleichzeitig Krieger. Sie beteiligten sich an Feldzügen und unterhielten eigene Gefolgschaften (Družina) zum Schutz der Handelszüge.

In Novgorod waren sie zumindest in einer Hundertschaft (ivanskoe sto) bei der Kirche des Hl. Johannes des Täufers organisiert. An sich nicht zu den Gefolgs- und Dienstleuten der Fürsten gehörend, waren sie für diese doch wegen ihrer Erfahrung im Handels- und Finanzwesen von großem Wert. Sie wurden daher häufig zu entsprechenden Diensten herangezogen. Gosti nahmen auch an den Vertragsabschlüssen und Gesandtschaften der Fürsten teil.


Grid'

In der Kiever Rus des 11. und 12 Jahrhunderts die jüngere bewaffnete Gefolgschaft eines Fürsten, seine Leibwache und auch Tischgenossenschaft. Auf für den fürstlichen Statthalter (Posadnik) von Novgorod ist zu Anfang des 11. Jahrhunderts die Grid' als bewaffnete Gefolgschaft bezeugt. Das Wort Grid' (auch grid'ba, dazu: gridin, grid; pl. gridi) ist wohl lt. VASMER ein altes Lehnwort aus dem altnordischen grici (Genosse, Leibwächter). KARAMZIN leitet es von schwedisch gred (Schwert) ab und SERGEEVIC sieht daher einen Zusammenhang zwischen gridin und mečnik (Schwertmann).


Gridnica

An den Fürstenhöfen der Kiever Zeit eine große Halle, ein Empfangsraum oder Prunksaal, oft als selbständiges Gebäude. In der Gridnica fanden die Beratungen mit der Gefolgschaft (Družina), große Gastmähler und Empfänge statt. Später übernahm der Flur (seni) in Analogie zu Gridnica auch sennica genannt, diese Funktion.


Grivna

Halsring, Frauenschmuck und Rangabzeichen des Mannes in der Kiever Rus. In der Literatur wird Grivna als ständiges Attribut des vornehmen Mannes erwähnt.

Der Begriff Grivna wurde auch als Geld- und Gewichtseinheit genutzt.


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H



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I


Izba

Seit dem 11. Jahrhundert Haus, Gebäude, Stube, Gemach. Izba war ein Wohngebäude aus Balken mit An- und Vorbauten, je nach Wohlstand verschieden ausgestattet: ein oder zweigeschossig, mit Rauchabzug (belaja izba) oder ohne (černaja izba, kurnaja izba).

Später hießen auch die inneren Gemächer im Zarenpalast, sowie die zum Zarenhof gehörigen Wirtschaftsgebäude Izba.


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J



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K


Kagan

Ein aus dem Chinesischen entlehnter Titel. Bei zahlreichen turksprachigen Völkern (Avaren, Pečenegen, Chazaren) von deren Herrschern benutzt, letztlich in altrussischen Quellen des 11./12. Jahrhunderts gelegentlich den Kiever Fürsten (Oleg, Jaroslav), im Slovo Ilarions auch Wladimir beigelegt.


Kazna

Kazna bedeutet so viel wie Schatz, Schatzhaus, Schatzamt. Seit der Kiever Zeit Inbegriff des beweglichen Vermögens der Fürsten, Kirchenhierarchen, Klöster, aber auch Privatpersonen. Hierzu gehörten Geld, Gold, Silber in allen Formen (Gefäße), goldene, silberne und seidene Gewebe, Tuche, Woll- und Papierstoffe, Pelzwerk. Auch Ikonen, Kreuze und andere wertvolle Kunstgegenstände gehörten dazu.


Kaznačej

Schatzmeister, Kämmerer, Vermögensverwalter. Das Amt gab es schon in Vormauskauer Zeit bei den Fürsten und Bojaren und wurde in der Regel von Unfreien (Cholop) ausgeübt, die Tiuny (siehe Tiun) oder Ključniki (siehe Ključnik) hießen. Der Kaznačej war Verwalter der Kazna (siehe dort) und Leiter des fürstlichen Hofes.


Kinžal

Hiebwaffe in Form eines Dolches oder Kurzschwertes. Der Kinžal wurde am Gürtel getragen, die Klinge war gerade oder gekrümmt und auf einen Griff aufgesetzt.


Kisten'

Der Kisten' (vgl. kazantat. und dschag. kistan, Prügel, Keule) war eine Schlagwaffe und bestand aus einem kurzen Stock, an dessen Ende mit einem Riemen oder einer Kette eine Metallkugel befestigt war. Am anderen Ende befand sich eine Schlaufe. der Kisten' wurde am Gürtel getragen.


Ključnik

Schlüsselbewahrer, Haushofmeister, Verwalter des Haus- und Hofwesens der Fürsten und Bojaren in der Kiever und Teilfürstenzeit, auch noch in der Moskauer Zeit bis in das 17. Jahrhundert.# Ključniki waren Unfreie (Cholop), bzw. führte die Ernennung zum Ključnik zur Unfreiheit; dies änderte sich erst im 16. Jahrhundert. Zu den Aufgaben des Ključnik gehörte es, die übrigen Cholopen seines Herrn zu verwalten, die Erträge der Gutswirtschaft einzuziehen, Land und Unterstützungsdarlehen an Bauern zu vergeben Er konnte mit Wirkung für ihn und gegen seinen Herrn Verträge schließen und Gegenstände für ihn erwerben.

Die Frau des Ključnikh war anstelle der Ehefrau häufig für die weibliche Dienerschaft zuständig. Eine ganz ähnliche Funktion wie der Ključnik hatte der Tiun (siehe dort), der ebenfalls unfrei war, aber wohl vorwiegend richterliche Aufgaben wahrnahm und dem Ključnik vielleicht übergeordnet war.


Klobuk

(klabuk, aus tatar. kalpak Mütze)

Eine weiche pelzverbrämte Mütze, die zum erstenmal im Jahr 1072 als fürstliche Kopfbedeckung in der Nestorchronik genannt wurde.


Kmet'

In der Kiever Rus des 11./12. Jahrhunderts Krigsleute im Fürstendienst, die Angehörigen der fürstlichen Gefolgschaft (Družina) schlechthin oder die Angehörigen der jüngeren Družina. Mit Kmet' wurden auch höhere, den Fürsten gleigestellte jüngere Krieger bezeichnet. Dagegen bedeutet Kmet' in Rußland nicht Landwird oder Bauer, wie bei den Südslawen.


Kniaz'

Fürst.

Kniaz' im Sinne von Fürst war bei den ostslawischen Stämen schon im 9. Jahrhundet, vor der Ankunft der Varäger gebräuchlich. Seit dem 10. Jahrhundert wurden die Angehörigen der varägischen Rjurikidendynastie Knjazia einige wie Oleg und Igor - jedenfalls in der Chronik - auch Velikij kniaz' (Großfürst) genannt. Entsprechendes gilt für Svjatoslav, Vladimir und Jaroslav. Die Bezeichnug Velikij dürfte aber in diesen Fällen auf spätere Zusätzen der Chronikschreiber beruhen. Unsicher ist auch, wann Kniaz' ein offiziell geführter Titel wurde (bei Jaroslav?). Dem Fürsten kam es zu, volodet i sudit (zu herrschen und zu richten) und sud i dan' d.h. die Gerichtsbarkeit und Abgabenerhebung auszuüben. Er war Anführer einer teils bewaffneten, aus Freien und Unfreien (Cholop) bestehenden Gefolgschaft (Družina), mit deren Hilfe er seine Regierung ausübte, also insbesondere Recht sprach, Abgaben erhob, Feldzüge unternahm, höfische Gutswirtschaft betrieb und dergleichen.

Er residierte an seinem Hof (Dvor), den er etwa im Kriegsfall und zum Zwecke des poljud'e, d.h der Rundreise zu Rechtsprechung und Abgabenerhebung, verließ. Seine obersten Hofbeamte waren Unfreie (siehe Tiuny und Ključniki). Für militärische und zivile Aufgaben bediente er sich des Adels, der Bojaren (siehe Bojarin) als hoher Beamter, die er auch als Statthalter (siehe Posadnik) in entferntere Gebieten einsetzte.

Das Verhältnis zwischen Fürst und freien Gefolgsleuten beruhte auf vertraglicher Basis, das von beiden Seiten aufkündbar war. Nach dem Tode Jarosavs, 1054 zerfiel sein einheitliches, von Kiev bis Novgorod reichendes Herrschaftsgebiet durch Aufteilung unter seine Nachkommen.


Kniaženie

Kniaženie bedeutet Fürstentum und war in der Kiever Rus, neben anderen Ausdrücken wie zemlja, volost', udel und uezd Bezeichnung für das Herschaftsgebiet eines Fürsten. In der Teilfürstenzeit gab es eine große Zahl von kleinen und kleinsten Fürstentümern, die vom 14. bis 16. Jahrhundert ihre Selbständigkeit verloren und in den Moskauer Staat eingegliedert wurden.


Kokošnik

Zweiteiliger Kopfputz der verheirateten Frauen; während das Stirnteil reich geschmückt war, verbarg das Oberteil das Haar.


Kolbjag

Bedeutete in der Kiever Zeit, auch schon vor dem 11. Jahrhundert ein Mitglied einer nordischen Vereinigung, wohl einer Gilde von Kaufleuten aus den Ostseeländern. Kolbjagi genossen in Novgorod gewisse Vorrechte und eine gewisse Exterritorialität. Kolbjag ist nicht identisch mit Varjagi!


Kolodnik

Der Begriff stammt ab von koloda = Holzklotz, Balken, Stamm, "in den Stock Geschlossener", "Gefesselter". In der Kiever Zeit des 11. und 12. Jahrhunderts im Sinne von Kriegsgefangener, in der Moskauer Zeit des 16. und 17. Jahrhunderts in der Bedeutung von Strafgegangenen/Sträfling bezeugt.


Kolpak

(kalpak; aus turksprachl. Kalpak "Art Mütze", vgl. auch Klobuk) Eine hohe kegelförmige Mütze mit Krempe, die gelegentlich pelzbesetzt war. Man schmückte sie mit Perlen, Knöpfen und Schlitzen. Desweiteren die Bezeichnung für eine kegelförmige Kriegermütze mit Metallschmuck und Panzernetz versehen.


Konjuch

Pferdeknecht, Pferdewärter, Stallmeister, Marschall. In der Kiever Zeit bedeutete Konjuch sowohl einen gemeinen Stallknecht oder Pferdeknecht der niedersten Stufe, als auch den obersten fürstlichen Pferdewärter und Hofmarschall, der meist als konjuch knjaž', konjuch stary, starejšina konjuchom oder tiun konjušij bezeichnet wurde und zu der oberen Wergeld-Gruppe (vira) rechnete. Die Konjuch waren, seien sie höheren oder nieren Ranges, bis in das 15. Jahrhundert hinein, Unfreie.


Konnica

Die Reitertruppen, in Verbindung mit "rat" (Heer) auch "konnaja rat" genannt. Bereits in der Kiever Rus war die Družina mit Pferden ausgerüstet. Beim Kampf stand die Konnica meist an den Flügeln der Schlachtordnung.


Kop'e

Speer, Spieß, Stichwaffe oder Wurfgeschoss. In Rußland von Fußtruppen und Reiterei verwendet. Der russische Speer besaß geschliffene Spitzen, um die Rüstungen der feindlichen Soldaten besser durchstoßen zu können.


Koprina

Ernährung, Unterhalt

Korm hießen von der Kiever Zeit bis in das 17. Jahrhundert die Leistungen der Bevölkerung, die für den Unterhalt des Fürsten und seiner Dienstleute zu erbringen waren. Hierzu gehörten die Leistungen von Hand- und Spanndiensten, etwa beim Bau des fürstlichen Hofes, durch Stellung von Arbeitskräften, Material und Werkzeug, besonders aber die Versorgung des Hofes mit Lebensmitteln, die Gewährung von Quartier für den reisenden Fürsten und seine Begleitung, die Lieferung von Jagdfalken für den Hof und dergleichen. Schon die Amtsleute der Kiever Fürsten wurden nicht von diesen, sondern von der Bevölkerung unterhalten.


Korzno

Ein weiter, pelzverbrämter Mantel in Form eines Umhangs als wesentlicher Bestandteil der Kleidung des Adels, meist auf der rechten Schulter geschlossen.


Kot

(aus syrjän. kot = Schuh aus einem Lederstück, Filzstiefel) Bauernschuh.


Kožuch

Ein bereits im Igorlied und in den berestjane gramoty erwähnter, pelzgefütterter Mantel, bisweilen mit Spitzen, Perlen und Stickereien geschmückt. Getragen wurder er über dem Zipun. Im 16. Jahrhundert trat der Kaftan an seine Stelle.


Kubara

Bezeichnung für feindliche Schiffe.


Kupčina

In der Kiever Zeit Kaufmann, wahrscheinlich gleichbedeuten mit Kupec und Gost' (siehe dort). Später bezeichnete Kupčina nur den Händler bzw. Krämer.


Kupec

Kaufmann. Kupcy sind seit frühester Zeit bezeugt; sie standen im Gegensatz zu den Gosti (siehe dort), den "fremden" Kaufleuten, die als Reisende in fremdem Gebiet Handel trieben. Kupcy waren die ansässigen, das heimatliche Gebiet nicht verlassenden jedoch auch Außenhandel treibenden Kaufleute. Allerdings kommt Kupec auch in der Bedeutungvon ausländischen, auf russischem Gebiet Handel treibenden Kaufleuten und von russischen, in Byzanz Handel treibenden Kaufleuten vor. Gosti (siehe dort) waren aber ausschließlich besonders angesehene, kapitalkräftige und einlußreiche Fernkaufleute.


Kuznec

Schmied in dieser Form kommt das Wort mehrfach in den ältesten Denkmälern vor, neben Kuznec auch der Begriff Kuzn`, womit alle Erzeugnisse gemeint sind, die aus Metall (ausser Eisen) hergestellt sind. In Novgorod war eine besondere Straße für die Schmiede vorhanden, die sogenannte kuzneckaja ulica. Die kuznecy zlatu, kuzecy serebru und die kuznecy medi, also die Gold-, Silber- und Kupferschmiede waren mit ihren Erzeugnissen weit über die Kiever Rus hinaus bekannt, in einzelnen Fällen sind diese als Grabbeigaben in Kiev, Černigov und Smolensk erhalten geblieben.


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L


Lapot'

Alter Bast- oder Baumrindenschuh, überwiegend von Kleinbauern getragen.


Lad'

Boot. Der häufigste Schiffstyp bei den Russen in der ältesten Zeit, gefertigt aus einem Baumstamm, meist Linden- oder Eichenholz. Auf dem Baumstamm wurden Bretter befestigt, so dass in einem solchen Boot bis zu 60 Menschen befördert werden konnten. Diese Boote wurden für die Binnenschiffahrt verwendet und mit Rudern fortbewegt. Für Meeresfahrten dagegen wurden Boote mit Brettern und Segeln gebaut. In den russischen Chroniken wird Lad' u. ä. als Sammelbegriff für alle möglichen Schiffstypen verwendet, wobei die Bezeichnung Lad' gleichbedeutend neben Korabl' verwendet werden konnte.


Laty

Harnisch, Panzer. Teil der Rüstung. Ein aus Platten zusammengesetzter Panzer zum Schutz vor Hieb- und Stichwaffen. Bei Ausgrabungen in Novgorod wurden neben Kol'čugi (Kettenpanzer) auch Laty gefunden.


Lednik

Ein langes Sackkleid der Bojarinnen mit weiten langen Ärmeln, das Borten aus kostbarem Stoff säumten.


Letopis'

Chronik, Annalen.

Letopisi sind historische Werke, in denen die geschichtlichen Ereignisse, meist über mehrere Jahrhunderte hin, in chronologischer Folge aufgezeichnet sind. Die Letopisi sind in Russland von der ältesten Zeit bis ins 17. Jahrhundert vorhanden. Die Aufzeichungen sind nach Jahreszahlen geordnet, wobei die Angaben zum jeweils neuen Jahr mit v leto... beginnen. Sie sind vielschichtige historische Enzyklopädien, die in ihrem Bestand nicht nur die Aufzeichnung historischer Fakten, sondern auch die verschiedensten Dokumente, Verträge und Gesetze sowie Heiligenleben, Sendschreiben, kirchliche Predigten/Sendschreiben usw enthalten.

In die Chroniken sind aber auch einige der besten Werke der altrussischen Literatur aufgenommen worden. Sie sind die wichtigste Quelle für den Historiker, da erst für das 15. Jahrhundert Urkundenmaterial in größerem Ausmaß zur Verfügung steht. Die meisten Letopisi enthalten die russische Geschichte von ihren Anfängen an, beginnen aber oft auch mit der biblischen Geschichte, der Erschaffung der Welt und gehen weiter über die antike und byzantinische zur russischen Geschichte. Die byzantinischen Chroniken, die den Stoff der Bibel, der Apokryphen und antiker wie byzantinischer Historiker und Kirchenschriftsteller verarbeiteten, dienten als Quellen für alle russischen historische Kompilationswerke. Vom byzantinischen Weltchroniken lagen in slawischen Übersetzungen die des Johannes Malalas (in Bulgarien im 10. Jahrhundert übersetzt, in Russland nur in russischen Kompilationswerken erhalten), die des Georgios Harmatolos (in Russland bekannt, älteste russische Handschriften vom Ende 13./Anfang 14. Jahrhundert) und die des Georgios Synkellos vor. Im 15. Jahrhundert wurden dazu noch die Chroniken des Manassws und des Zonaras in Russland bekannt. Neuere Letopisi stellen immer Komilationen und Bearbeitungen älteren chronistischen Materials dar und enden mit Notizen über die Ereignisse der Zeit des Redaktors bzw. Schreibers.


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