Die Geschichte von den Seekriegern auf Jomsburg


Walter Baetke
Thule



Tokis Söhne


Toki wurde ein Mann in Dänemark genannt, in der Landschaft, die Fünen heißt. Seine Frau hieß Thorvör. Er hatte zwei Söhne; Aki hieß der ältere und der andere Palnir. Sein ältester Sohn Fjölnir war der Sohn eines Kebsweibes. Toki war damals schon alt, und er wurde krank und starb, bald darauf auch seine Frau Thorvör. Die Brüder Aki und Palnir traten das Erbe an; da fragte Fjölnir seine Brüder, was sie ihm von dem Erbgut zudächten. Sie sagten, sie wollten ihm ein Drittel der fahrenden Habe abgeben, aber nichts von den Ländereien; und sie meinten, er käme dabei doch noch gut weg. Er aber beanspruchte den dritten Teil von allem Besitz, als ob er erbberechtigt wäre. Aber seine Brüder schlugen das ab. Fjölnir zeigte sich übel zufrieden und ging fort zum König Harald und wurde sein Gefolgsmann und Ratgeber. Er war ein kluger, findiger und böswilliger Mann. Er fing nun an und verleumdete seinen Bruder Aki bei dem König. Kein unfürstlicher Mann konnte sich zu jener Zeit in Dänemark mit Aki Tokissohn messen. Er war jeden Sommer auf Heerfahrt und behielt fast stets den Sieg.

Fjölnir sprach also zum König Harald: er würde nicht als Einkönig über Dänemark gelten, solange Aki Tokissohn am Leben wäre. So brachte er es durch sein Reden beim König dahin, daß es zwischen Aki und dem König nicht ungefährlich stand. Aki genoß Friedland und gute Freundschaft bei dem Jarl Ottar in Gautland. Und dorthin fuhr er einmal zu einem Gastgebot und hatte zwei Schiffe und hundert Mann, alle wohl versehen mit Waffen und Kleidern. Da war er einige Zeit, und beim Abschied empfing Aki von dem Jarl schöne Geschenke. Danach fuhr er zurück.

Das erfuhr König Harald, daß Aki aus dem Lande gefahren war. Er ließ zehn Schiffe ausrüsten und fünfhundert Mann und gebot ihnen, auszufahren und aufzupassen, wenn er zurückführe, und ihn und sein ganzes Gefolge ums Leben zu bringen.

Des Königs Mannen fuhren darauf aus und zogen Kundschaft ein über Akis Fahrt. Das war leicht; denn jene konnten sich nicht davor in acht nehmen. Da kamen die Mannen des Königs unversehens über sie mit dem Heere und griffen sie mit den Waffen an und stürzten die Zelte auf sie; jene waren aber nicht gerüstet dazu, und sie erschlugen sie alle.

Darauf überbrachten sie dem König die ganze Kriegsbeute. Der König äußerte sich zufrieden darüber und sagte, nun würde er wohl vor Aki Einkönig sein. Fjölnir dünkte nun alles in bester Ordnung, und er meinte es einigermaßen vergolten zu haben, daß er das Erbe nicht bekommen hatte.

Nun erfuhr man diese Begebenheit in Fünen. Und als Palnir das hörte, ging es ihm so nahe, daß er sich ins Bett legte. Ihn dünkte die Rache aussichtslos an dem, mit dem er es zu tun hatte, da es der König war.

Sigurd hieß ein Mann. Er war ein Ziehbruder der Brüder, ein kluger und reicher Mann. Palnir suchte Rat bei ihm, wie er verfahren sollte. Sigurd sagte, er wolle eine Frau für ihn werben. Palnir fragte, wer die wäre. Sigurd sagte, es sei Ingeborg, die Tochter des Jarls Ottar von Gautland. Palnir sagte: »Ich fürchte, daß ich diese Frau nicht bekommen werde; aber ich glaube gewiß, das würde meinen Harm am ehesten lindern, wenn ich diese Frau erhielte.«

Nun rüstete sich Sigurd zur Abreise. Er hatte ein Schiff und sechzig Mann und fuhr gen Norden nach Gautland. Sigurd offenbarte sein Anliegen vor dem Jarl und bat um die Hand seiner Tochter für Palnir. Er sagte, es fehle ihm nicht an Besitz in Fünen, sagte auch, Palnirs Tod stehe auf dem Spiel, seines Harmes wegen. Das Ende der Unterredung war, daß der Jarl seine Tochter zusagte und das Mädchen hinbringen sollte. Darauf fährt Sigurd nach Hause und bringt Palnir diese Botschaft, und davon besserte sich sein Zustand sehr. Sie rüsten nun in Fünen ein stattliches Gastmahl zu und sparen nichts daran. Und am bestimmten Tage kam der Jarl mit einem großen Gefolge. Und es wurde ein prächtiges Brautmahl gefeiert und darauf Palnir und Ingeborg in ein Bett geführt.

Sie schläft bald ein und hat einen Traum. Und als sie erwachte, erzählt sie Palnir den Traum. »Das träumte mir«, sagte sie, »daß mir war, als stünde ich hier auf diesem Hofe und hatte ein Gewebe auf dem Webstuhl, das war von grauer Farbe. Das Gewebe war durch Websteine gestrafft, und ich war dabei, das Gewebe zu schlagen. Da fiel ein Webstein mitten aus dem Gewebe hinten herab. Da sah ich, daß die Websteine lauter Mannshäupter waren. Und ich nahm das Haupt auf und er kannte es.« Palnir fragte, wessen Haupt es gewesen wäre. Sie sagte, es sei das Haupt König Haralds, des Sohnes Gorms, gewesen. Palnir sagte: »Besser ist das als nicht geträumt.« »So deucht mir auch., sagte sie. Nach diesem Gelage fuhr der Jarl Ottar heim nach Gautland mit ehrenvollen Geschenken. Aber zwischen Palnir und Ingeborg war eine große Liebe, und bald bekamen sie miteinander einen Sohn. Der wurde Palnatoki genannt. Er wuchs in Fünen auf und war früh groß und verständig und allbeliebt. Und als Palnatoki dem Kindesalter fast entwachsen war, da wurde sein Vater krank und starb. Palnatoki übernahm nun mit seiner Mutter den ganzen Besitz in Verwaltung. Er fuhr nun jeden Sommer auf Heerfahrt und galt als berühmter Mann. Und keinem Manne scbien er in seinem Wesen so ähnlich wie seinem Vaterbruder Aki.

Saga - Kapitel 2


Palnatokis Heirat


Zu jener Zeit herrschte über Wales ein Jarl, der Stefnir hieß. Er hatte eine Tochter, die Alöf hieß. Sie war klug und beliebt. Palnatoki kam mit seinen Schiffen dort ans Land und gedachte in dem Reiche des Jarls Stefnir zu heeren. Als das kundbar wurde, faßten Alöf und Björn der Waliser, der ihr Ratgeber war, den Plan, Palnatoki zu einem Gelage einzuladen und ihm hohe Ehre zu erweisen; er sollte dort Friedland haben und nicht heeren. Und das nahm Palnatoki an und besuchte das Gelage mit seiner ganzen Mannschaft. Und auf diesem Gelage hielt Palnatoki um Alöf arm, und die Verbindung war leicht zu erlangen. Man ging dann sofort zur Hochzeit über, und dazu gab der Jarl Stefnir Palnatoki den Jarlsnamen und sein halbes Reich; aber das ganze sollte er nach seinem Tode bekommen. Palnatoki blieb den Sommer und den Winter über da. Aber im Frühling sprach Palnatoki zu Björn dem Waliser: »Ich will nun nach Dänemark zurück; du aber sollst hier bei meinem Schwiegervater Stefnir zurückbleiben und das Land an meiner Statt verwalten.«

Saga - Kapitel 3


Die Unterredung Aesas mit dem König


Danach fuhr Palnatoki mit seiner Frau Alöf ab und heim nach Fünen in Dänemark. Er sitzt nun eine Zeitlang daheim auf seinen Höfen und gilt für den zweitgrößten Mann in Dänemark und den mächtigsten und einsichtigsten nächst dem König.

König Harald zog nun zu Gelagen im Lande umher. Palnatoki rüstet ein Gelage zu und ladet König Harald ein. Und der König nahm das an. Er blieb da lange auf dem Gastmahl. Es war aber eine Frau zum Dienst beim Könige bestellt, die Aesa hieß und Näh-Aesa genannt wurde. Sie war ein armes Weib und doch sehr kenntnisreich. Nun verließ der König das Gelage und wurde mit vielen Gaben bedacht.

Im Sommer darauf ging Näh-Aesa mit einem Kinde. Und Palnatoki sprach mit ihr und fragte, wer daran teilhätte mit ihr. Sie sagte, es falle auf keinen anderen als den König. »Dann will ich dich aus der Arbeit nehmen, bis dein Zustand sich erleichtert.« Die Zeit ging hin, und Aesa gebar ein Kind; es wurde ihm ein Name gegeben, und es hieß Svend und wurde Nähaesa-Svend genannt. Er wuchs in Fünen auf, und Palnatoki erwies sich freundlich zu ihm und ebenso seine Leute. Und als Svend drei Jahre alt war, nahm der König Harald dort in Fünen ein Gelage entgegen. Palnatoki leitete nun mit Näh-Aesa alles in die Wege. Am Tage, als der König bei Tisch saß, trat Aesa vor die Tafel, führte den Knaben an der Hand und sprach: »Herr König«, sagte sie, »hier bringe ich einen Knaben, und keinem andern Manne schiebe ich es zu, daß ihm der Knabe mit mir gehöre, als Euch.« Der König sagte kurz, als sie ihre Rede beendet hatte, wer sie wäre. Sie nannte ihren Namen. Der König sprach: »Ein unglaublich freches und törichtes Weib bist du. Untersteh dich nicht, so etwas zu sagen, wenn dir deine heilen Glieder lieb sind. « Palnatoki sagte: »Sie wird das wohl darum sagen, Herr, weil sie es so für wahr hält; auch ist sie kein liederliches Weib; und wir haben sie um Euretwillen unter unsern Schutz genommen.« Der König antwortete: »Das hatte ich nicht erwartet, daß du mir dies einbrocken würdest.« »So soll es auch sein«, sagte Palnatoki, .aber ich will ihn so hoch stellen, als ob er dein Sohn wäre. « Der König sprach: »Dafür weiß ich dir keinen Dank. « Palnatoki sagte: »Das soll nichts ausmachen. Wir wollen nun dies Gespräch für diesmal fallenlassen.«

Darauf fuhr der König von dem Gastmahl ohne alle Geschenke, und mit der Freundschaft zwischen ihm und Palnatoki war es aus.

Saga - Kapitel 4


Von Svend und König Harald


Bald danach gebar Alöf einen Knaben. Der wurde Aki genannt. Er wurde in Fünen bei seinem Vater aufgezogen. Svend war nun da, bis er fünfzehn Jahre alt war. Da hieß Palnatoki ihn zu seinem Vater fahren, Mannschaft von ihm heischen, auch sich als seinen Sohn erklären, ob ihm das nun gefiele oder nicht. Svend tat, was Palnatoki ihm auftrug. König Harald sagte: »Das entnehme ich aus deiner Rede, daß man über deine mütterliche Herkunft nicht gelogen hat. Du mußt ein Narr und ein Tölpel sein. « Da sagte Svend: »Ich wollte wohl eine vornehmere Mutter haben, wenn du dafür gesorgt hättest. Aber mein Vater bist du fürwahr. Nun gib du mir drei Schiffe; mein Pflegevater wird mir andre drei geben. Aber wenn du das nicht willst, werde ich dir etwas einbrocken, das dich mehr kostet.« Der König sprach: »Ich rechne, daß man dich damit loswerden kann. Und komme nie wieder. « Darauf gab der König Svend drei Schiffe. Er heerte im Reiche seines Vaters jenen ganzen Sommer über. Unter den Bauern erhob sich böses Murren. Der König achtete es nicht. So ging es bis zum Herbst hin. Da fuhr Svend zurück nach Fünen und war den Winter über bei Palnatoki.

Im Frühjahr fuhr Palnatoki zu König Harald, und alles ging wieder denselben Gang. Svend erhielt jetzt sechs Schiffe von dem König, und Palnatoki gab ihm weitere sechs. Svend heerte wieder im Reiche seines Vaters und ging jetzt weit ungestümer vor. Er ließ gar nicht wieder von ihnen ab. Er heerte sowohl in Seeland wie in Halland; sie erschlugen manchen Mann. Diese Kunde verbreitete sich weit umher. Die Bauern zogen zum König und stellten ihm ihre Not vor. Aber der König ließ das auch jetzt so hingehen.

Im Herbst fuhr Svend zu Palnatoki mit seinem ganzen Kriegsvolk und blieb da den Winter über. Aber als die Frühlingstage kamen, rüstete Svend sein Kriegsvolk. Er machte alles so, wie sein Pflegevater es ihm geraten hatte. Er fuhr zum König und forderte, daß er ihm zwölf Schiffe gebe. Der König sagte: »Du bist ein so verwegener Mensch, daß ich nicht deinesgleichen weiß - daß du es wagst, zu mir zu kommen, da du doch ein Dieb und Räuber bist. Und die Verwandtschaft mit dir erkenne ich niemals an.« Svend sagte: »Sicherlich bin ich dein Sohn, und unsere Verwandtschaft stimmt; doch aber werde ich deiner nicht schonen. Denn jetzt gleich wollen wir miteinander kämpfen, wenn du mir nicht gibst, was ich will, und du sollst nicht davonkommen. « Der König sagte: »Ein schwieriger Mensch bist du. Und dein Sinn ist von solcher Art, als wärest du nicht kleiner Leute Kind. Auch wirst du bekommen müssen, was du verlangst. Fahr dann hinweg und komm niemals wieder.«

Nun fuhr Svend zu Palnatoki mit dreißig Schiffen. Der nahm ihn wohl auf. »Mir scheint, daß du guten Gebrauch machst von dem, was ich für dich tue. Du sollst nun im Sommer mehr als je in Dänemark heeren, wie du ja jetzt die größte Macht hast. Aber jetzt wird dir der König das nicht länger nachsehen. Du aber fliehe nicht, wenn auch Kriegsvolk gegen dich aufgebracht wird; denn ich werde kommen, dir beizustehen. Ich will aber im Sommer mit diesen neun Schiffen nach Wales zu dem Jarl Stefnir, meinem Schwiegervater.« Sie schieden nun und fuhren beide zugleich aus dem Lande.

Svend heert nun in Dänemark Tag und Nacht, schlägt die Leute tot, raubt alle Habe und brandschatzt das Land. Die Landleute fliehen übel zugerichtet und sagen es dem König an. Ihn deuchte, daß es nun nicht mehr so bleiben könne. Der König ließ jetzt fünfzig Schiffe ausrüsten und fuhr selbst mit. Sie suchten nach Svend. Und im Herbst trafen sie sich bei Bornholm. Es war so spät, daß es nicht möglich schien, noch zur Schlacht überzugehen. Aber am Morgen, sobald es hell war zum Kampfe, legten sie ihre Schiffe aneinander und schlugen sich den ganzen Tag bis zum Abend. Da waren zehn Schiffe des Königs Harald und zwölf von Svend von Mannschaft entblößt. Svend legte nun seine Schiffe am Abend ins Innere einer Bucht; der König aber legte sich mit seinen Schiffen quer vor die Bucht, und sie schlossen Svend darin ein.

Denselben Abend kam Palnatoki dort zu Lande. Er hatte vierundzwanzig Schiffe. Er legte sich auf der andern Seite unter dem Vorgebirge vor Anker und schlug dort die Zelte auf. Darauf ging Palnatoki ganz allein an Land. Er hatte seinen Bogen und Köcher bei sich.

Denselben Abend ging der König ins Land hinauf mit zwölf Mann. Sie gingen in einen Wald und machten sich ein Backfeuer an. Da war es finstre Nacht. Der König zog sich aus und wärmte sich. Palnatoki sieht das Feuer im Walde, schleicht heimlich heran und schießt den König Harald durch und durch. Der fällt sofort tot nieder. Palnatoki eilt sogleich zu seinem Kriegsvolk zurück; die Begleiter König Haralds aber bemühten sich um ihn. Sie besprachen miteinander, wie sie sich verhalten sollten. Fjölnir sagte: »Mein Rat ist, daß wir alle dieselbe Rede führen, daß der König im Kampfe erschossen sei; denn das kann man am wenigsten unserer Unachtsamkeit zur Last legen. « Und nun verbanden sie sich dazu durch feste Abrede. Fjölnir nahm den Pfeil und verwahrte ihn. Er war leicht kenntlich; denn er war mit Gold umwunden.

Palnatoki rief zwanzig Mann zu sich; er sagte, sie wollten Svend aufsuchen. Sie gingen quer über die Halbinsel und hielten Rat. Svend sagte, er wolle, daß Palnatoki ihnen rate. Palnatoki sagte keinem etwas von dem Tode des Königs. Er sprach: »Wir wollen uns nicht lange besinnen. Wir wollen mit euch zu Schiffe gehen. Darauf wollen wir alle unsere Schiffe losmachen und zum Angriff gegen die Flotte des Königs rudern. Es ist mir zuwider, daß der König uns hier einpferche und totschlage.« So geschah es denn. Sie ruderten zum Angriff auf die Flotte des Königs. Da gingen drei Schniggen von der Kriegsmacht des Königs unter, und es kamen nur die Leute davon, die schwimmen konnten. Palnatoki und Svend aber ruderten mit allen Schiffen in die Lücke und so hinaus zu der Flotte, die Palnatoki hergeführt hatte. Am Morgen griffen sie die Mannen des Königs an und vernahmen die Nachricht, daß der König tot sei. Da sprach Palnatoki: »Dann ist zwischen zwei Dingen zu wählen: ihr schlagt euch mit uns oder nehmt Svend zum König. « Sie wollten lieber Svend annehmen. Darauf fuhren sie beide ab und beriefen eine Volksversammlung ein. Da wurde Svend zum König über ganz Dänemark angenommen.

Als Svend nun König geworden war, hielt er es für seine Pflicht, seinem Vater das Erbmahl zu halten, und lud Palnatoki dazu ein. Der aber sagte, er könne nicht vor Wintersanfang. »Denn mir ist berichtet, mein Schwiegervater Stefnir sei tot, mir aber gehört nun das ganze Reich dort.« Nun unterblieb das Erbmahl in diesem Herbst, und Palnatoki fuhr außer Landes, seinen Sohn Aki aber ließ er in Fünen zurück und befahl ihn dem Schutze des Königs Svend. Der König versprach es und handelte auch so. Palnatoki fuhr nun nach Wales und übernahm dort das Reich, und das Jahr verstrich.

Im nächsten Sommer schickte König Svend Boten zu Palnatoki, ihn zum Erbmahl einzuladen. Aber Palnatoki sagte, er könne noch nicht fahren, und so unterblieb das Erbmahl in diesem Jahre. Und als es wieder Sommer wurde, läßt König Svend Anstalten treffen für das Erbmahl, sendet wieder Boten zu Palnatoki, bittet ihn, jetzt zum Erbmahl zu kommen, und kündet ihm seinen Zorn an, wenn er nicht käme. Palnatoki sagt den Boten, er werde jetzt kommen, und der König möge das Gastmahl zurichten lassen. Der König ließ nun auch das Gastmahl zurichten und lud eine Menge Volkes dazu ein.

Als nun alles zubereitet und die Eingeladenen gekommen waren, neigte sich der Tag, und Palnatoki kam nicht, und die Männer gingen ans Trinken. Der König ließ für Palnatoki Platz auf dem Hochsitz der niederen Bank frei und für seine Leute links davon. Darauf fingen sie an zu trinken.

Nun ist von Palnatoki und Björn dem Waliser zu erzählen. Sie hatten drei Schiffe und hundert Mann, zur Hälfte Dänen, zur andern Waliser. Sie kamen denselben Abend vor des Königs Hof. Da war sehr schönes Wetter. Sie wendeten mit den Schiffen um, zogen die Haltetaue ans Land und legten die Riemen in die Dollen. Dann gingen sie zum Hof des Königs mit der ganzen Mannschaft. Palnatoki schritt nun in die Halle und alle ihm nach, und er ging vor den König und begrüßte ihn. Der König nahm seine Rede wohl auf und wies ihm seinen Sitz an und so auch all den andern.

Sie fangen nun an zu trinken. Fjölnir neigte sich zum König und sprach eine Weile heimlich mit ihm. Der König wechselte die Farbe dabei und wurde rot wie Blut.

Saga - Kapitel 5


Palnatoki bekennt sich zu seinem Pfeil


Ein Mann hieß Arnodd. Er war Kerzenträger des Königs und stand vor seinem Tisch. Fjölnir reichte ihm einen Pfeil und befahl ihm, den herumzutragen bei allen Männern, die da in der Halle waren, ob jemand ihn als sein eigen anerkenne. Er ging zuerst vom Sitze des Königs rechts hinauf, dann links hinunter vom König bis zur Türschwelle. Dann ging er gegenüber hinauf vor Palnatoki und fragte, ob er das Geschoß vielleicht kenne. Palnatoki sagte: »Wie soll ich mein Geschoß nicht kennen, gib her. Mir gehört es. « Da trat lautlose Stille ein in der Halle, als jemand sich zu dem Geschoß bekannte. König Svend sprach: »Du, Palnatoki, wo trenntest du dich zum letztenmal von diesem Pfeil?« Palnatoki sagte: »Ich bin dir oft willfährig gewesen, Pflegesohn, und will es auch diesmal. Ich trennte mich von ihm auf dem Bogenstrang, als ich deinen Vater durchschoß.« Der König sprach:

»Steht auf, ihr Männer, unverweilt, und legt Hand an Palnatoki und seine Leute. Man soll sie alle totschlagen. Denn jetzt ist alle Freundschaft zerrissen, die zwischen uns gewesen ist.« Da springen alle auf in der Halle. Palnatoki zieht sein Schwert und haut Fjölnir, seinen Oheim, zusammen. Dann strebten er und alle seine Leute nach draußen; denn er stand da so in Gunst, daß keiner ihm Schaden tun wollte.

Nun waren Palnatoki und seine Leute alle aus der Halle hinausgekommen außer einem Mann aus Björns Mannschaft. Palnatoki sprach: »Weniger war nicht zu erwarten; laßt uns jetzt zu den Schiffen eilen.« Björn sagte: »Du würdest so von deinem Mann nicht weglaufen, und ich wills auch nicht. « Er kehrt zurück in die Halle. Da werfen sie den Waliser sich über den Kopf zu und haben ihn fast schon in Stücke gerissen. Björn ging hinzu und ergriff den Mann und warf ihn, der schon tot war, sich auf den Rücken. Das tat Björn hauptsächlich sich zum Ruhme. Darauf eilten sie zu ihren Schiffen; sie legten sich in die Riemen und ruderten davon. Sie hielten nicht eher an, als bis sie wieder nach Wales kamen.

König Svend und die Seinen tranken nun das Erbmahl, und er war übel zufrieden damit.

Den Sommer darauf wurde Alöf, Palnatokis Frau, krank und starb. Nun behagte es ihm nicht mehr in Wales, und er setzte Björn den Waliser in die Herrschaft ein. Er aber rüstete nun dreißig Schiffe zur Fahrt aus dem Lande und zog auf die Heerfahrt. Er heerte in Schottland und Irland und trieb diese Beschäftigung drei Jahre. Er erwarb sich große Beute und Ruhm. Im vierten Sommer segelte Palnatoki gen Osten an die Wendenküste und hatte damals vierzig Schiffe.

Saga - Kapitel 6


Anlegung der Jomsburg


Zu jener Zeit herrschte über das Wendenland ein König, der Burislaf hieß. Er hörte von Palnatoki und war besorgt wegen dessen Heerfahrt; denn jener behielt fast immer den Sieg und war vor allen Männern berühmt. Diesen Entschluß faßte der König, daß er Boten zu Palnatoki schickte und ihn zu sich einlud; und er ließ ihm sagen, er wolle Freundschaft mit ihm schließen. Auch ließ der König diesem Angebot hinzufügen, er wolle ihm von seinem Lande einen Gau geben, der Jom hieß, damit er ihm sein Land und Reich verteidige und sich dort niederlasse. Das nahm Palnatoki an und ließ sich dort nieder mit allen seinen Mannen. Und bald ließ er dort eine große und starkbefestigte Burg bauen. Ein Teil der Burg stand nach der See hinaus. Und darin ließ er einen Hafen bauen, so groß, daß dreihundert Langschiffe darin liegen konnten, so daß alle in der Burg eingeschlossen waren. Mit großer Kunst war das eingerichtet, so daß dort Tore daran waren und ein großer steinerner Bogen oben darüber. Vor den Toren aber waren eiserne Torflügel, die innen vom Hafen her geschlossen wurden. Auf dem Steinbogen aber war ein großer Turm gebaut, und darin waren Kriegsschleudern. Diese Burg wird die Jomsburg genannt.

Saga - Kapitel 7


Die Jomswikinger


Hiernach gab Palnatoki in der Jomsburg Gesetze mit dem Rat kluger Männer, damit ihr Ruhm weithin dränge und ihre Macht aufs höchste stiege.

Das war der Anfang ihrer Gesetze: Kein Mann sollte hier aufgenommen werden, der älter wäre als fünfzig, und kein jüngerer als achtzehn Jahre. Dazwischen sollten alle sein. Nicht sollte Blutsverwandtschaft dabei mitsprechen, wenn solche Männer aufgenommen werden wollten, die nicht den Gesetzen entsprachen. Kein Mann sollte vor einem gleich streitbaren und gleich gerüsteten fliehen. Jeder sollte den andern rächen wie seinen Bruder. Keiner sollte ein Wort der Furcht sprechen oder in irgendeiner Lage verzagen, wie hoffnungslos sie auch schiene. Alles, was sie auf den Heerfahrten erbeuteten, sollten sie zur Stange bringen, minderes oder größeres Gut, das Geldeswert hätte. Und wenn einer das nicht getan hätte, so sollte er fort müssen. Keiner sollte eine Verleumdung ausbringen. Wenn aber eine Neuigkeit bekannt würde, sollte niemand so vorlaut sein, sie öffentlich mitzuteilen; denn Palnatoki sollte dort alle Neuigkeiten verkünden. Niemand sollte ein Weib in der Burg haben und keiner länger als drei Nächte auswärts sein. Und wenn ein Mann aufgenommen wäre, der den Vater oder Bruder eines Mannes erschlagen hätte, der zuvor dagewesen, oder sonst irgendeinen verwandten Mann, und das späterhin herauskäme, nachdem er aufgenommen wäre, so sollte Palnatoki das alles entscheiden, und so auch bei jeder andern Uneinigkeit, die unter ihnen entstünde. In solcher Weise saßen sie nun in der Burg und hielten ihre Gesetze wohl. Sie fuhren jeden Sommer auf Heerfahrt aus in mancherlei Länder und erwarben sich Ruhm. Sie galten als die größten Krieger und fast keine andern ihnen gleich in jener Zeit. Und sie wurden die Jomswikinger genannt.

Saga - Kapitel 8


Sigvaldis Fahrt nach Jomsburg


Zu der Zeit herrschte über Seeland ein Jarl, der Harald hieß. Er wurde Stutz-Harald genannt. Man nannte ihn deshalb so, weil er einen Hut hatte, der mit zehn Mark Goldes ausgearbeitet war. Seine Frau hieß Ingibjörg. Ein Sohn von ihnen hieß Sigvaldi, ein anderer Thorkel der Hohe. Ihre Tochter hieß Tova. Ein Mann hieß Veseti; er herrschte über Bornholm. Seine Frau hieß Hildigunn. Ein Sohn von ihnen hieß Bui, ein anderer Sigurd Mantel. Ihre Tochter hieß Thorgunn. Aki, Palnatokis Sohn, wohnte in Fünen, und der König Svend behandelte ihn in allen Stücken aufs beste. Um diese Jungfrau warb König Svend für Aki, und er zeugte mit Thorgunn einen Sohn; der hieß Vagn. Er wuchs zu Hause auf. Akis Glück stand in voller Blüte. Als Vagn einige Jahre alt war, da wird von ihm erzählt, daß er von schwierigerer Gemütsart war als andere Männer. Er schlug und prügelte alles. Er war abwechselnd zu Hause oder auf Bornholm bei Veseti, seinem Großvater, weil keiner mit ihm auskommen zu können glaubte. Mit Bui stand er sich am besten von allen seinen Verwandten, und was der sagte, das befolgte er noch am ehesten. Was andre sagten, achtete er für nichts. Er war der schönste aller Männer, in allen Stücken hochbefähigt und stark an Kräften. Bui, sein Mutterbruder, war schweigsam und großmütig - so stark, daß man seine Kraft gar nicht genau kannte, nicht schön und doch von männlicher Haltung. Sigurd Mantel war ein schöner Mann, unübertroffen in seiner Gesinnung und äußerst wortkarg. Sigvaldi, der Sohn des Jarls Harald, war bleichgesichtig; er hatte von den Männern die schönsten Augen, eine häßliche Nase, war von hohem Wuchs und sehr behende. Sein Bruder Thorkel war ein sehr großer Mann, stark und klug, und das waren sie beide. Sigvaldi und sein Bruder fragten ihren Vater, wie er darüber dächte, wenn sie nach der Jomsburg führen. Der Jarl sagte, dazu sei zu raten. »Es ist hohe Zeit für euch, euch zu versuchen.« Sie fragten, ob er ihnen Waffen oder Zehrung geben wolle. Der Jarl sagte, eins von beiden gäbe es nur: überhaupt nicht zu fahren oder sich beides selbst zu verschaffen. Sie wollten nun nichtsdestoweniger fahren, rüsteten zwei Schiffe und hundert Mann und wählten die Mannschaft so sorgfältig, wie sie sie nur bekommen konnten.

Darauf fuhren sie nach Bornholm. Sie stürmten dort ins Land hinauf, zerstörten ein Gehöft Vesetis, das sein reichstes war, beraubten ihn alles Viehs dort und brachten es danach auf ihre Schiffe.

Von ihrer Fahrt ist dann nichts weiter berichtet, ehe sie nach der Jomsburg kamen.

Palnatoki ging immer mit großer Mannschaft auf den Turm, der über der Durchfahrt war, um von da aus mit den Männern zu sprechen, die zu der Burg kamen. Nun wurde er die Ankunft Sigvaldis und seiner Gefährten wahr. Da ging Palnatoki mit großem Gefolge auf den Turm und fragte, wer die Schiffe befehlige. Sigvaldi sagte: »Hier befehligen zwei Brüder, die Söhne des Jarls Stutz-Harald. Das aber ist unser Anliegen, daß wir in eure Mannschaft eintreten möchten mit den Männern, die euch aus unserer Schar brauchbar erscheinen.« Palnatoki besprach sich darüber mit seinen Genossen, sagte, ihm sei ihre Herkunft bekannt und sie seien von vornehmer Geburt. Sie überließen es Palnatoki, zu entscheiden, und nun wurde die Burg aufgeschlossen, und sie ruderten hinein. Darauf wurde die Mannschaft geprüft. Die eine Hälfte war tauglich, die andere aber fuhr wieder ab, und danach wurden die Brüder in den Bund aufgenommen.

Saga - Kapitel 9


Veseti führt Klage


Nun ist da fortzufahren, wo dem Veseti sein Gehöft geplündert war. Er suchte König Svend auf und erzählte ihm, was geschehen war. Seine Söhne aber hielt er von jeder Gewaltsamkeit zurück. Der König gab ihm den Rat, er solle es nun erst ruhig sein lassen: »Aber ich will dem Jarl Stutz-Harald Botschaft senden und hören, ob er für seine Söhne Geld bezahlen will, so daß du entschädigt wirst, und ich will dann, daß du dich damit zufriedengibst. « Nun zog Veseti nach Hause.

Der König Svend aber schickte Boten zu Jarl Harald, und er begab sich zum König, und der König sagte ihm, was seine Söhne Veseti angetan hätten, und verlangte, daß er eine Geldbuße für sie zahle und daß es dann gut sein solle. Der Jarl sagte so: »Das Geld habe ich noch nicht bekommen, das ich für sie bezahlen werde, wenn auch einmal junge Leute sich Rinder oder Schafe zur Zehrung holten.« Der König sagte: »Dann kannst du nach Hause fahren; denn ich habe dir jetzt gesagt, was ich wollte. Steh du aber selbst für dich und dein Gut ein vor Veseti und seinen Söhnen. « Jarl Harald sagte, er fürchte sich nicht vor Veseti und seinen Söhnen. Darauf fuhr Jarl Harald nach Hause.

Saga - Kapitel 10


Der Schiedsspruch des Königs


Veseti und seine Söhne erfuhren von seiner Unterredung mit dem König. Sie rüsteten aufs beste drei Schiffe und zweihundert Mann aus. Darauf fuhren sie nach Seeland. Sie zerstörten drei der reichsten Gehöfte, die dem Jarl Harald gehörten, und fuhren danach nach Hause.

Nun erfuhr Jarl Harald, daß er beraubt war. Er schickte Boten zu König Svend und bat ihn, sie zu vergleichen; er sagte, jetzt wolle er das gerne. König Svend sagte: » Jarl Harald soll sich nun an seinen guten Rat halten, weil er meinen Rat nicht haben will. Ich will jetzt nichts damit zu tun haben.« Die Boten fuhren zurück und sagten ihm, wie es stünde. Der Jarl sagte: »Dann werden wir uns wohl selbst helfen müssen, wenn der König dabei stillsitzen will. « Jarl Harald rüstete nun zehn Schiffe aus, fuhr darauf nach Bornholm und plünderte dort drei Gehöfte Vesetis, die nicht schlechter waren als die ihm zerstört waren. Dann kehrte Jarl Harald zurück und meinte, es sei außerordentlich gutgegangen. Veseti erfuhr das und begab sich sogleich zum König. Der König nahm ihn wohl auf. Da sprach Veseti: »Also steht es zur Zeit zwischen Jarl Harald und mir, daß ich glaube, es werde unter den Landesbewohnern Unfriede entstehen, wenn du dich nicht ins Mittel legst. Es kann nicht sein, daß es dich jetzt nicht so schwer ankommt wie späterhin. « Der König sagte: »Ich werde in Kürze auf das Thing fahren, das das Isöre-Thing heißt. Dorthin werde ich Jarl Harald laden, und da sollt ihr euch vergleichen.« Veseti fuhr nun nach Hause.

Die Zeit bis zum Thing verstrich. Der König besuchte das Thing mit großem Gefolge, denn er wollte jetzt allein zwischen ihnen entscheiden. Er hatte fünfzig Schiffe.

Jarl Harald hatte nicht weit zu fahren, und er hatte zwanzig Schiffe. Veseti fuhr auch zum Thing und hatte nur fünf Schiffe; aber seine Söhne waren nicht da. Jarl Harald hatte aber seine Zelte ein Ende weiter von der See entfernt. Veseti schlug seine Zelte an der See auf bei dem Sunde, der da bei der Thingstätte vorbeiführt.

Und als der Abend sich neigte, da sahen sie von dem Wohnsitz des Jarls Harald zehn Schiffe zum Thing fahren. Sie legten am Ufer an. Darauf schritten sie zum Thing hinauf - und da waren es die Söhne Vesetis. Bui war kostbar gekleidet; denn er trug das Ehrenkleid des Jarls Harald, das zwanzig Mark Gold wert war. Den Hut des Jarls hatte Bui auch auf, der mit zehn Mark Goldes ausgestattet war. Sie hatten auch dem Jarl zwei Kisten weggenommen und in jeder waren neunzig Mark Goldes. Sie schritten vollbewaffnet und in Schlachtordnung auf das Thing vor. Dann nahm Bui das Wort: »Jetzt ist es Zeit, Jarl Harald, wenn du dir getraust dich zu schlagen und noch Mut in dir hast, daß du deine Waffen ergreifst; denn ich bin jetzt bereit, mich mit dir zu schlagen. « König Svend hörte die Worte Buis und erkannte, daß er seine Hoheit nicht aufrechterhalten würde, wenn das vor sich ginge. Der König trat nun zwischen sie, und sie kamen nicht dazu, sich zu schlagen; und es kam dazu, daß beide einwilligten, des Königs Entscheidung anzunehmen. Aber das bedang sich Bui bei dem Vergleich aus, daß er sagte, niemals werde er die Goldkisten des Jarls loslassen. Und die Leute sagen das auch, man halte ihn für den Mann, der das auch ausgeführt habe. Darauf fällte der König den Schiedsspruch, und er kam darauf hinaus: »Du, Bui, sollst das Ehrenkleid des Jarls herausgeben, aber die Goldkisten sollst du beide behalten. Ihr sollt auch die drei Höfe des Jarals erstatten, die ihm zerstört worden sind, dafür soll der Jarl seine Tochter Tova dem Sigurd Mantel vermählen. Diese drei Höfe sollen ihre Mitgift sein.« Das nahmen beide gern an. Veseti gab Sigurd dazu ein Drittel eines ganzen Besitzes in den Handel, und es dünkte Sigurd etwas sehr Schönes um seine Heirat. Sie fuhren nun sogleich vom Thing zur Hochzeit; dazu luden sie beiderseits auch König Svend ein. Die Hochzeit Sigurds und Tovas wurde nun mit großen Ehren gefeiert. Veseti fuhr nach Hause und setzte sich zur Ruhe. Und als seine Söhne kurze Zeit daheim gewesen waren, bekam Bui Lust, nach Jomsburg zu fahren und so seinen Ruhm zu mehren. Sigurd wollte auch fahren, obgleich er verheiratet war. Nun rüsteten sich die Brüder zur Ausfahrt und hatten zwei Schiffe und hundertzwanzig Mann und wollten es den Söhnen Stutz-Haralds möglichst gleichtun. Sie kamen zur Jomsburg und legten draußen bei den Hafentoren an. Da gingen die Häuptlinge mit großem Gefolge auf den Turm. Sigvaldi erkannte jene Männer. Bui brachte nun sein Anliegen vor. Er sagte, sie wollten in das Kriegsvolk unter Palnatoki eintreten, wenn er ihn und seinen Bruder beide aufnehmen wolle. Da sprach Sigvaldi: »Wie habt ihr und Stutz-Harald eure Sache beigelegt, ehe ihr aus dem Lande fuhrt?« Bui sagte: »Das ist eine lange Geschichte mit unserm Handel; die kann ich jetzt nicht erzählen; aber verglichen sind wir durch Spruch des Königs. « Nun sprach Palnatoki mit seinen Leuten: »Wollt ihr es darauf wagen, ob diese Männer die Wahrheit reden oder nicht? Ich aber hätte wohl große Lust zu ihnen; denn es dürften wenige ihresgleichen unter unserer Mannschaft sein.« Sie sagten: »Wir wollen, daß du sie in unsern Bund aufnimmst, wenn es dir richtig erscheint. Wenn sich aber späterhin etwa Dinge über sie herausstellen, die wir nicht wissen, so sei das wie alles andere deinem Urteil überlassen.« Darauf wurde die Burg aufgeschlossen, und Bui und die Seinen liefen mit ihren Schiffen in den Hafen ein. Danach wurde ihre Mannschaft geprüft und achtzig Mann tauglich befunden; aber vierzig fuhren nach Hause.

Sie saßen nun weiter in der Burg mit großem Ruhm, aber jeden Sommer waren sie auf dem Wiking und verübten weiter manchen kühnen Anschlag.

Saga - Kapitel 11


Von Vagn


Nun ist von Vagn, Akis Sohn, zu sagen, daß er abwechselnd bei seinem Vater und seinem Großvater Veseti war. Er war ein so ungebärdiger Knabe, daß er schon drei Männer erschlagen hatte, als er neun Jahre alt war. Doch blieb er zu Hause, bis daß er zwölf Jahre alt war. Und nun sagte er zu seinem Vater, er solle ihm Mannschaft geben. Und Aki gab ihm ein halbes Hundert Leute und ein Schiff. Veseti aber gab ihm auch ein halbes Hundert Leute und ein zweites Langschiff. Und es war kein Mann, der ihm folgte, älter als zwanzig und keiner jünger als achtzehn Jahre, außer Vagn, der war zwölf Jahre. Er sagte, er werde sich selbst Zehrung und Waffen verschaffen.

Nun steuerte Vagn fort mit seiner Mannschaft, und bald war er genötigt, sich Lebensmittel zu besorgen. Er fuhr die ganze dänische Küste entlang und trieb schonungslos Strandraub, raubte auch sowohl Kriegskleider wie Waffen und ließ nicht eher nach, als bis er beides genug hatte, bevor er aus Dänemark fortsegelte. Er steuerte nun mit seinen Schiffen nach der Jomsburg und kam dort frühmorgens an, gerade bei Sonnenaufgang. Er legte mit den Schiffen draußen bei dem Steinbogen an; die Häuptlinge der Burg aber kamen mit großem Gefolge heraus und fragten, wer gekommen wäre. Vagn fragte zurück, ob Palnatoki im Turm wäre. Palnatoki sagte, so sei es - »wer aber bist du, der so stattlich auftritt?« »Das will ich dir nicht verhehlen; ich heiße Vagn und bin Akis Sohn und dazu hergekommen, dir meine Hilfe anzubieten. Ich galt zu Hause für unausstehlich.« Palnatoki sagte: »Meinst du, Gesippe, daß man dich hier ausstehen wird, wenn man zu Hause kaum mit dir auskommen kann?« Vagn sprach: »Dann hat man mir etwas vorgelogen, Gesippe, wenn solche Leute nicht zu gebrauchen sind in eurem Bunde. « Da sprach Palnatoki zu seinen Mannen: »Dünkt es euch rätlich, daß wir sie aufnehmen?« »Es scheint mir ratsam«, sagte Bui, »obgleich er sich zu mir unter seinen Verwandten am besten hält, daß wir ihn nicht aufnehmen.« Palnatoki sprach: »Mein Sohn Vagn, unsere Mannen stehen gegen dich auf, und deine Verwandten ebenso wie die andern.« Vagn sagte: »Das erwartete ich nicht von dir, Gesippe Bui. « Bui sagte: »Dafür stehe ich ein.« Vagn sagte: »Was meinen die Söhne Stutz-Haralds dazu?« Sigvaldi sprach: »Wir wollen offen gestehen, daß du niemals in unsere Schar kommst.« Nun sagte Palnatoki: »Wie alt bist du, Gesippe?« Vagn sagte: »Ich will darin nicht lügen, ich bin zwölf Jahre.« Palnatoki sprach: »Dann forderst du Unberechtigtes von uns; denn du bist ein viel jüngerer Mann, als wir einen in den Bund aufgenommen haben. Und das gibt den Ausschlag, daß du nicht hierbleiben kannst.« Vagn sagte: »Ich will nicht Ursache geben, deine Gesetze zu brechen. Aber da werden sie wohl am wenigsten gebrochen, wenn ich wie einer von achtzehn Jahren oder noch älter bin.« Palnatoki sagte: »Beharre nicht darauf, Gesippe. Ich will dich lieber nach Wales zu Björn senden, und um unserer Verwandtschaft willen gebe ich dir das halbe Reich, das mir in Wales gehört.« Vagn sagte: »Das ist ein gutes Anerbieten, aber ich will es nicht.« »Wohin denkst du denn, Gesippe«, sagte Palnatoki, »wenn du so etwas nicht willst?« »Das soll jetzt kund werden«, sagte Vagn. »Ich fordere Sigvaldi, den Sohn Stutz-Heralds, heraus, daß er mit zwei Schiffen aus der Burg komme, und wir wollen miteinander erproben, wer von uns flieht oder wer die Oberhand behält, und das soll die Abrede sein unter uns, daß ihr uns aufnehmen sollt, wenn sie weichen; sonst wollen wir wegfahren. Und mit nicht geringerem Nachdruck fordere ich ihn heraus als so: Sigvaldi schlage sich mit uns, wenn er kein feiger Kerl ist und mehr eines Mannes Mut hat als eines Weibsstücks.« Palnatoki sprach: »Hörst du, Sigvaldi, was Vagn sagt? Er fordert dich nicht in sehr gewählten Worten heraus, und ich glaube, ihr geht an ein vollwertiges Probestück. Da nun aber schon soviel darüber geredet ist, kann ich nicht abraten, daß ihr sie angreift und ihnen soviel Schlimmes antut, wie ihr könnt. Aber das will ich nicht, daß ihr Vagn tötet, wenn er auch nicht sehr umgänglich zu sein scheint.« Darauf wappneten sich Sigvaldi und seine Genossen und ruderten mit zwei Schiffen gegen sie aus, und alsbald kam es zu einem heftigen Kampf. Vagn und seine Leute ließen einen gewaltigen Steinhagel niedergehen, daß Sigvaldi und die Seinen nichts anderes tun konnten als sich decken und doch genug damit zu schaffen hatten. Sie legten Bord an Bord, und sobald der Steinhagel nachließ, ließen ihre Hiebe nicht auf sich warten. Und es kam so weit, daß Sigvaldi zum Lande zurückwich und sich Steine holen wollte, Vagn aber mit den Seinen sogleich hinterdrein. Und nun stießen sie auf dem Lande zusammen, und Sigvaldi mußte zurückweichen, und dieser Kampf war noch viel heftiger. Sigvaldis Kriegsvolk sank dahin. Palnatoki und seine Begleiter standen auf dem Turm und schauten zu. Palnatoki merkte nun, wie es ablaufen würde. Er rief Sigvaldi zu, sie sollten aufhören. »Denn ihr werdet das nicht durchhalten können. Mein Rat ist, daß wir Vagn und seine Leute aufnehmen, obwohl er jünger ist als in unsern Gesetzen bestimmt ist; auch ist gute Hoffnung, daß dieser Mann ein großer Streiter wird, soviel mir scheint. « Sie taten nun, wie Palnatoki sagte, stellten den Kampf ein und nahmen Vagn und seine Genossen auf. Sie wurden nun in den Bund eingeführt.

Dreißig Mann waren von Sigvaldis Leuten gefallen, aber nur wenige von Vagn; doch viele waren verwundet. Vagn begleitete sie nun auf jeder Heerfahrt und steuerte ein Schiff; und keiner galt für einen so gewaltigen Kriegsmann wie er. Dies ging drei Sommer so fort. Nun war Vagn fünfzehn Jahre. Da wurde Palnatoki krank. Da ließ er nach König Burislaf schicken. Und als der König zu Palnatoki kam, da sprach er: »Das ist meine Ahnung, Herr König, daß mich keine Krankheit weiter befallen wird als diese. « Der König sprach: »So ist das mein Rat, daß du einen Mann an deiner Stelle erwählst, die Sachen zu verwalten, die du bisher versehen hast, und der sei Häuptling in der Burg. Und ihr bleibt weiter hier. « Palnatoki sagte, ihn dünke, daß Sigvaldi am wenigsten dazu fehle, um den Angelegenheiten der Männer vorzustehen. »Und doch scheint mir allen etwas an dem zu fehlen, was ich gewesen bin. « Der König sprach: »Oft hat sich uns dein Rat gut bewährt, und so soll auch noch dieser letzte gelten. Alle die alten Gesetze sollen in der Burg bestehenbleiben.« Sigvaldi war dem nicht abgeneigt und ging sehr freudig darauf ein. Nun gab Palnatoki seinem Enkel Vagn halb Wales zum Eigentum und zur Herrschaft mit Björn dem Waliser und bat, daß man sich Vagns auf alle Weise annehme bei dem Kriegsvolk. Und bald hernach starb Palnatoki, und das dünkte alle ein sehr großer Verlust.

Saga - Kapitel 12


Sigvaldis Verrat an König Svend


Sigvaldi hatte ihre Gemeinschaft nicht lange geleitet, als sich schon mancherlei änderte an dem, wie es früher gewesen war. Es waren Weiber darinnen zwei Nächte hintereinander oder drei, und so blieben auch die Männer länger aus der Burg fort, als da Palnatoki lebte. Es geschahen auch zuweilen Untaten und vereinzelte Totschläge.

König Burislaf hatte drei Töchter. Die älteste hieß Astrid; sie war das schönste und klügste Mädchen. Die zweite hieß Gunnhild, die dritte Geira. Diese nahm Olaf Tryggvissohn zur Frau. Sigvaldi fuhr nun zum König und bot ihm unter zwei Dingen die Wahl: er würde nicht in der Burg bleiben oder der König gäbe ihm seine Tochter Astrid. »Ich hatte gedacht«, sagte der König, »sie sollte einem Manne vermählt werden, der einen erlauchteren Namen trüge als du; doch läge mir sehr nötig daran, daß du in der Burg bliebest, und wir wollen uns das alle zusammen überlegen. « Der König ging nun zu seiner Tochter Astrid und fragte, ob das eine Heirat nach ihrem Sinne wäre, wenn sie mit Sigvaldi vermählt würde. Astrid sagte: »Dir die Wahrheit zu sagen, so möchte ich Sigvaldi niemals zum Manne zu haben. Auch soll er das erst vollbringen, das Land von aller Schatzung zu befreien, die wir bisher dem Dänenkönig entrichtet haben, ehe er in mein Bett kommt. Und das ist die andre Bedingung, daß er den König Svend hierher schaffe, so daß du ihn in deiner Gewalt hast.« Der König teilte Sigvaldi dies mit, ihn verlangte aber nach der Heirat mit Astrid. Es kam dahin, daß Sigvaldi dem zustimmte, und sie schlossen einen festen Vertrag darüber. Es sollte ausgeführt sein vor dem ersten Julfest; sonst sollten alle ihre Abreden ungültig sein.

Sigvaldi fuhr nun nach der Jomsburg zurück. Und bald darauf brach er mit drei Schiffen und dreihundert Mann aus der Burg auf und fuhr nun, bis er nach Seeland kam. Er traf Leute, die er ansprach, und er fuhr, daß König Svend nicht weit davon ein Gelage entgegennehme. Da legte er seine Schiffe bei einem Landvorsprung an. Dort waren nirgends Schiffe in der Nähe. Es war dicht bei dem Gehöft, wo der König zechte mit sechshundert Mann. Sigvaldi und seine Leute wendeten mit ihren Schiffen um und ließendie Vordersteven vom Lande abkehren. Sie banden jedes Schiff an den Steven des andern. Darauf schickte Sigvaldi zwanzig Mann zu König Svend. »Und sprecht so zu ihm: ich sei krank und dem Tode nahe, und ich wolle zuvor ihn einer Sache wegen aufsuchen, und sein Leben hänge daran.«

Die suchten nun den König auf und trugen dies Anliegen vor. Der König ging schnell darauf ein und zog sofort mit jenen sechshundert Mann hin.

Als aber Sigvaldi gewahr wurde, daß der König gekommen war, da lag er auf dem Schiff, das vom Lande am fernsten war. Er sprach zu seinen Leuten: »Wenn dreißig Mann auf das Schiff gekommen sind, das dem Lande zunächst ist, sollt ihr die Brücke vom Lande ziehen und sagen, die Leute sollten das Schiff nicht so überlaufen, daß es sinke; und ich vermute, der König geht vornean. Wenn aber zwanzig Mann auf das mittlere Schiff gekommen sind, so sollt ihr dort die Brücke wegziehen.« Als nun der König auf das Schiff gekommen war, taten sie, wie verabredet war. Nun ist der König auf Sigvaldis Schiff gekommen mit zehn Mann. Da fragte der König, ob Sigvaldi noch die Sprache habe. Ihm wurde gesagt, seine Kräfte seien äußerst schwach. Da ging der König zu Sigvaldis Bett und fragte, ob er sprechen könne. Sigvaldi antwortete: »Neige dich zu mir.« Als aber der König sich zu ihm niederbeugte, da faßte Sigvaldi ihn mir der einen Hand quer über die Schultern und mit der andern unter die Arme. Und dann rief Sigvaldi, sie sollten mit allen Schiffen aufs schnellste davonrudern, und das taten sie. Die Mannen des Königs aber standen am Ufer und sahen ihnen nach. Da sprach der König: »Was ist nun, Sigvaldi, willst du mich verraten, oder was hast du vor?« Sigvaldi sagte: »Verraten will ich Euch nicht, aber Ihr sollt nach Jomsburg fahren, und da sollt Ihr willkommen sein, und wir werden Euch alle Ehre erweisen. « Der König sagte: »Damit sind wir nun auch einverstanden. « Sie fuhren nun nach der Jomsburg, und die Jomsburger veranstalteten ein großes Gelage zu seinem Empfang und nannten sich seine Mannen. Da sagte Sigvaldi zum König, er habe für ihn um eine von den Töchtern des Königs Burislaf angehalten, die Gunnhilde heiße und die schönste sei. »Aber mir ist ihre Schwester verlobt, die Astrid heißt. Jetzt will ich zum König fahren und nach dieser Abrede sehen deinetwegen.« Der König bat ihn, das zu tun. Sigvaldi fuhr nun zu König Burislaf mit hundert Mann, und sie besprachen sich miteinander. Sigvaldi gab an, er sei nun zur Heirat mit Astrid gekommen. König Burislaf und Sigvaldi machten nun ihren Plan. Darauf fuhr Sigvaldi nach Hause. König Svend fragte, wie die Sache ginge. Sigvaldi sagte, das hänge von ihm ab. »Wenn du König Burislaf den Zins erlassen willst, so vermählt er dir seine Tochter. Und das ist für euch beide eine größere Ehre, wenn du die Tochter eines Königs zur Frau hast, der nicht zinspflichtig ist.« So brachte es Sigvaldi durch seine Vorstellungen dahin, daß der König auf die Bedingung einging. Die Hochzeit wurde nun angesetzt, und beide Hochzeiten sollten gleichzeitig stattfinden.

König Svend kam nun zu dem Gelage, und alle Jomswikinger begleiteten ihn. Und das Gelage war so prächtig, daß sich die Leute keines großartigeren Gastgebots im Wendenlande erinnerten. Den ersten Abend waren die Bräute verschleiert; aber am Morgen darauf waren sie munter und verhüllten sich nicht. Und der König Svend blickte ihnen jetzt ins Antlitz; denn er hatte keine von beiden vorher gesehen. Aber Sigvaldi hatte gesagt, die wäre das schönere Mädchen, die der König bekäme. Doch dem König schien das nicht so, und es dünkte ihn, Sigvaldi habe nicht die Wahrheit gesagt. Der König durchschaute nun seinen ganzen Anschlag und machte sich doch alles zunutze, wovon er glaubte, daß es sein Ansehen erhöhen könnte. Nun wurde das Gelage abgebrochen. Der König fuhr mit seiner Frau heim und nahm dreißig Schiffe, eine zahlreiche Mannschaft und manche Kostbarkeiten von da mit. Sigvaldi aber fuhr nach Jomsburg mit seiner Frau, und die Jomswikinger mit ihm.

Saga - Kapitel 13


Die Gelübde beim Erbbier


Bald darauf erfuhr man die Nachricht aus Dänemark, daß der Jarl Stutz-Harald, Sigvaldis und Thorkels Vater, gestorben war; ihr Bruder Heuring aber war noch jung. Nun schickte König Svend Botschaft an Sigvaldi, sie sollten nach Dänemark kommen, um das Erbmahl für ihren Vater zu feiern. Sie sandten die Antwort, der König möge das Gelage zurichten lassen und ihr Gut nicht sparen, sie aber sagten zu, sie würden zur Zeit des Winteranfangs dazu erscheinen. Dies schien den meisten Männern nicht ratsam, und sie argwöhnten, daß die Freundschaft zwischen König Svend und Sigvaldi brüchig sei nach dem, was vorgefallen war. Aber sie wollten nicht anders als fahren.

Die Jomswikinger rüsteten sich nun zur Ausfahrt aus der Burg und hatten anderthalbhundert Schiffe. Sie fuhren nach Seeland. Der König war schon da und hatte ein herrliches Gelage hergerichtet. Es waren auch eine Menge Gäste da.

König Svend ließ nun gleich am ersten Abend den Jomswikingern das stärkste Getränk vorsetzen. Aber sie tranken auch übermäßig viel. König Svend merkte nun, daß sie sterblich betrunken wurden und sehr redselig. Da nahm König Svend das Wort: »Hier geht es recht laut her. Es wäre nun wohl angebracht, daß wir irgendeine Kurzweil angäben zur Ergötzung der Männer, daran die Leute späterhin gedächten. « Sigvaldi sagte: »Uns dünkt, das würde am besten eingeleitet und besorgt dadurch, daß Ihr zuerst anhebt, denn wir fügen uns Euch alle.« Der König sprach: »Das, weiß ich, tun Männer bei solchen Gelagen, daß sie Gelübde ablegen, sich selbst zum Ruhme. Da ihr nun so berühmt seid in allen Ländern, so wird sich das auch auszeichnen, was ihr gelobt. Ich will es nun vormachen. Ich tue dies Gelübde, daß ich Adalrad, den König der Engländer, aus seinem Reiche vertrieben haben will vor Anfang des dritten Winters oder sonst ihn erschlagen und so sein Reich erlangt haben. Nun ist's an dir, Sigvaldi, und gelobe du nichts Geringeres.« Er sagte, das solle geschehen. »Herr, dieses Gelübde tue ich«, sagte er, »daß ich heeren will in Norwegen vor Anfang des dritten Winters mit solchem Kriegsvolk, als ich dazu bekommen kann, und den Jarl Hakon aus dem Lande vertrieben oder erschlagen haben - oder aber dort fallen.« Da sagte der König: »So geht es gut, und das nenn ich ein gutes Gelübde getan - und Glück sei mit dir, und führe das wohl aus. Nun ist's an dir, Thorkel der Hohe, und es versteht sich, daß du etwas Mannhaftes daraus machst. « Thorkel sagte: »Ich habe mir das Gelübde ausgedacht: meinen Bruder Sigvaldi zu begleiten und nicht eher zu fliehen, ehe ich das Heck seines Schiffes ansehe.« »Das ist tapfer gesprochen, und du wirst es wohl ausführen. « »Bui der Dicke«, sagte der König, »jetzt bist du dran, und du wirst gewiß etwas Besonderes hören lassen.« »Dies Gelübde tue ich«, sagte Bui, »daß ich Sigvaldi begleiten will auf dieser Fährt, wie ich Mannhaftigkeit dazu habe, und standhalten, solange Sigvaldi will. « »Es ging so, wie wir vermuteten«, sagte der König, »daß bei dir etwas Tüchtiges herauskommen würde. Nun bist du dran, Sigurd Mantel, nach deinem Bruder.« »Das ist schnell getan«, sagte Sigurd, »ich will meinem Bruder folgen und nicht eher fliehen als er, oder bis er tot ist.« »Das war zu erwarten«, sagte der König. »Nun ist's an dir, Vagn, und es liegt uns viel daran, dein Gelübde zu hören. Ihr seid mächtige Streiter, ihr Gesippen. « Vagn sprach: »Dies Gelübde tue ich, Sigvaldi und meinem Gesippen Bui auf dieser Fahrt zu folgen und standzuhalten, solange Bui will, wenn er lebt; diesem Gelöbnis soll auch das folgen, wenn ich nach Norwegen komme, daß ich Thorkel Leira erschlagen will und Ingibjörgs, seiner Tochter, Bett besteigen, ohne Erlaubnis ihrer Gesippen.« Björn der Waliser war auch da mit Vagn. Da sagte der König: »Was für ein Gelübde tust du, Björn?« Er sagte: Meinem Pflegesohn Vagn zu folgen, wie ich Mannheit dazu habe.« Nun nahm es mit diesem Gespräch ein Ende, und die Männer gingen schlafen. Sigvaldi legte sich ins Bett zu seiner Frau Astrid und schlief schnell und fest ein. Und als er aufwachte, fragte Astrid, ob er sich an sein Gelübde erinnere. Er sagte, er erinnere sich nicht. Sie sprach: »Es wird dir nicht so hingehen, als ob nichts gewesen sei«, und sie erzählte es ihm - »und da wird Klugheit und Überlegung nötig sein.« Sigvaldi sprach: »Was soll ich nun für einen Entschluß fassen? Du bist klug und weißt guten Rat. « »Das weiß ich nicht«, sagte sie, »aber getan muß etwas dazu werden, denn später wirst du wenig Stütze an König Svend haben, wenn du jetzt nichts erhältst.« Darauf machten sie ihre Pläne. König Svend kam auf seinen Platz und alle Jomswikinger. Sigvaldi war sehr aufgeräumt. König Svend fragte darauf, ob Sigvaldi sich an sein Gelübde erinnere. Sigvaldi sagte, er erinnere sich nicht. Der König sagte es ihm nun. Sigvaldi sprach: »Im Rausch ist man ein andrer Mann - was willst du zulegen, daß ich mein Gelübde erfülle?« Der König sagte, er sei gesonnen, wenn Sigvaldi gerüstet sei, zwanzig Schiffe zuzulegen. Sigvaldi sagte: »Das ist eine gute Zulage für einen Bauern, aber königlich ist das nicht.« Da sprach König Svend und runzelte die Stirn ein wenig: »Wieviel verlangst du?« Sigvaldi sprach: »Kurz und gut: sechzig Großschiffe; aber ich werde nicht weniger zur Stelle schaffen, wenn es auch kleinere sein mögen; denn es ist ungewiß, ob alle zurückkommen. « Da sprach der König: »Die Schiffe sollen alle bereit sein, wenn du bereit bist.« »Dann ist alles in Ordnung«, sagte Sigvaldi, »und führe das wohl aus; denn ich werde jetzt sogleich abfahren, wenn das Gelage beendet ist.« Da wurde der König betreten und sprach dann unerwartet schnell: »Ausführen werde ich das, aber es geht doch schneller als ich dachte.« Da sprach Astrid, Sigvaldis Frau: »Es ist keine Hoffnung, daß ihr den Jarl Hakon besiegt, wenn er es vorher erfährt - wenn ihr ihn nicht so besiegt, daß er es gar nicht erwartet.« Nun trafen sie gleich dort auf dem Gastmahl Anstalten zur Fahrt. Tova, die Tochter Jarl Haralds, sprach zu ihrem Manne Sigurd: »Darum möchte ich dich bitten, daß du deinem Bruder Bui, so gut du kannst, zur Seite stehst; denn er hat viel Gutes an mir getan; ich aber möchte ihm das ein wenig zeigen. Hier sind zwei Männer, Bui, die will ich dir geben: der eine heißt Havard der Schläger, der andere Aslak Holmglatze.« Bui nahm die Männer an und sagte, sie solle bedankt sein dafür. Bui gab sogleich den Aslak seinem Neffen Vagn.

Nun nahm das Gelage ein Ende, und die Jomswikinger machten sich sofort von dem Gelage auf, und danach fuhren sie aus und hatten hundert Großschiffe. Sie hatten guten Fahrwind und erreichten Vik in Norwegen. Sie kamen spät am Abend unverhofft zu dem Platze Tunsberg. Der Mann, der den Platz verwaltete, war der Lehnmann Geirmund der Weiße. Als nun das Heer in die Stadt kam, verwüsteten sie fast den ganzen Ort. Sie erschlugen viele Leute und raubten unermeßliches Gut. Die Leute erwachten mit keinem schönen Traum. Geirmund erwachte und die, die in der Wohnung ihm zunächst schliefen. Sie liefen auf den Boden hinauf, wo sie glaubten, sich am längsten verteidigen zu können. Da stürmten die Jomswikinger auf den Boden hinauf und hieben mit Gewalt auf den Bodenraum ein. Geirmund sah, daß sie sich da nur kurze Zeit würden halten können. Da sprang er kurzentschlossen vom Söller auf die Straße hinab und kam auf die Füße zu stehn. Vagn stand nahe dabei; er hieb sofort nach ihm und schlug ihm die Hand ab, und ihr nach fiel ein Goldring. Geirmund entkam damit in den Wald. Er ging sechs Tage in der Wildnis, danach kam er zu bewohnten Orten und eilte nach Norden, so sehr er konnte, bei Tag und Nacht. Er erfuhr, der Jarl Hakon sei mit hundert Mann bei einem Gelage auf dem Hofe, der Skugi hieß.

Geirmund kam spät am Abend an, und der Jarl saß beim Trunk. Geirmund ging vor ihn und begrüßte ihn. Der Jarl fragte, wer er wäre. Er sagte es ihm. Der Jarl fragte, was es neues gäbe. Geirmund sagte: »Noch hat sich wenig begeben, aber es könnten Begebenheiten daraus werden.« »Was da?« sagte der Jarl. Geirmund sprach: »Ein Heer ist im Osten bei Vik ins Land gefallen, und sie ziehen daher mit großem Kampf und Streit.« Da sprach der Jarl: »Ich weiß, du wirst keine Kriegsnachricht erzählen, wenn es nicht wahr ist. Wer führt das Heer an?« Geirmund sprach: »Sigvaldi heißt der, der es anführt; auch hörte ich Bui und Vagn nennen, und daran habe ich ein Andenken« - und dabei hob er die Hand hoch und zeigte ihm den Stumpf. Der Jarl sprach: »Übel und jämmerlich bist du zugerichtet; weißt du etwa, wer dir diese Wunde beibrachte?« Geirmund sprach: »Das erriet ich mit Wahrscheinlichkeit; denn sie sprachen, als er den Ring aufnahm, der der Hand nachgefallen war: Das hast du dir verdient, Vagn, sagten sie. Mich deuchte aber, als ob das Heer die Jomswikinger hieß.« Der Jarl sprach: »Du wirst wohl recht darüber unterrichtet sein, aber gerade diese würde ich mir zuletzt gewünscht haben.«

Saga - Kapitel 14


Vorbereitungen zum Kampf


Der Jarl fuhr sofort ab von dem Gelage und eilte nach Romsdal hinunter. Er sandte Männer nach allen Seiten und ließ Kriegspfeile herumgehen. Er schickte auch Leute gen Norden nach Drontheim zu seinem Sohne Svend, er solle in Drontheim Kriegsvolk sammeln. Jarl Erich zog nordwärts nach Namdalen und so bis in den äußersten Norden durch Nordmöre und auf den Inseln umher. Die Flotte sollte zusammenkommen bei der Insel, die Höd heißt. Erling, der Sohn des Jarls, zog in Rogaland umher, Jarl Hakon selbst in Söndmöre und Romsdal. Sie kamen nun mit allen Streitkräften zusammen unter der Insel Höd und in der Bucht, die die Hjörungabucht heißt, und hatten dreihundert Schiffe aufgebracht. Nun machten sie ihren Kriegsplan.

Von den Jomswikingern ist nun zu berichten, daß sie von Süden am Lande entlang fuhren; und es flohen vor ihnen alle, die es konnten, und doch erschlugen sie eine Menge Volks und trieben großen Strandraub. Sie segelten nordwärts um Stad herum und legten bei den Heröern an. Bis dahin hatte man von dem Jarl noch nichts gehört. Sie legten sich mit der ganzen Flotte dort vor Anker. Sie meinten da Strandraub nötig zu haben. Vagn fuhr mit seiner Skeid zu der Insel, die Höd heißt. Sie trafen dort einen Mann, der trieb drei Kühe und zwölf Ziegen vor sich her. Vagn fragte ihn nach seinem Namen. Er sagte, er heiße Ulf. Da sprach Vagn: »Treibt das Vieh hinunter an den Strand. « »Wer ist der Mann?« sagte Ulf. Er sagte es. Ulf sprach: »Mir deucht, wenn ihr Jomswikinger seid, so wäre wohl Aussicht auf größeres Schlachtvieh, und das ist nicht weit ab.« Vagn sagte: »Sage uns, wenn du etwas von dem Jarl weißt, und du sollst mit deinen Kühen und Ziegen davonkommen. « Ulf sprach: »Hier lag er gestern abend mit einem einzigen Schiff hinter der Insel in der Hjörungabucht. « Da sage Vagn: »So sollst du mit uns fahren und uns den Weg sagen.« Er ging nun mit Vagn aufs Schiff, und sie kehrten sofort nach den Heröern zurück mit einem Teil der Mannschaft. Die Jomswikinger rüsteten sich nun wie zur Schlacht, obgleich Ulf es als Kleinigkeit hinstellte. Nun befürchtete Ulf, daß ihnen die Zahl der Schiffe größer erscheinen werde. Er warf sich über Bord, um davonzuschwimmen, aber Vagn griff nach einem Wurfspieß und trieb ihn mitten durch seinen Leib, und Ulf ließ da sein Leben.

Die Jomswikinger sahen nun, daß die Bucht ganz mit Schiffen bedeckt war. Sie stellten nun sofort ihre Flotte in Schlachtordnung auf. Sigvaldi legte sich vorn ins Mitteltreffen und sein Bruder Thorkel zu seiner einen Seite, Bui und sein Bruder Sigurd auf den nördlichen Flügel der Schlachtordnung, aber Vagn, Akis Sohn, und Björn der Waliser auf den südlichen.

Die Hjörungabucht ist so beschaffen, daß eine Schäre mitten in der Bucht liegt und eine Insel nordwärts davor, die Primsignd heißt, Hörund liegt südlich.

Nun sehen die Jarle, daß die Jomswikinger gekommen sind, und ordnen ihre Flotte gegen sie. Sie stellen Svend, den Sohn Jarl Hakons, gegen Sigvaldi, ebenso auch Gudbrand von Dalen und Styrkar von Gjemse; gegen seinen Bruder Thorkel: Vriarskeggi den Andern, Sigurd Steikling von Helgeland und Thorir Hirsch; gegen Bui: Thorkel Midlang, Hallstein Kerling und Thorkel Leira, gegen Sigurd Mantel: Arnmod und seinen Sohn Arni und Finn, gegen Vagn den Jarl Erich, Hakons Sohn, Erling von Skugi und Geirmund den Weißen, gegen Björn den Waliser: Einar den Kleinen und Havard von Flydrunes, aber der Jarl Hakon soll freies Spiel haben und alle Heerhaufen unterstützen. Vier Isländer waren bei Hakon und seinen Söhnen: Skjald-Meyiar-Einar, der Skalde des Jans - dieser sprang jetzt auf die Brücke und sprach: »Zu Sigvaldi will ich, der Jarl da geizt!« Und dann sprach er:

Fort zum Fürsten dürft' ich,
Fenrirs Speisemeister:
Leicht schafft auf dem Schiff der
Gütige Schildbaum Raum mir.
Sigvaldi such' ich Krieger
Sehnlich mir als Lehnsherrn.
Ahn's, auf nimmt er Einar,
Ehrt mich hoch, der Schwertheld.

Nun merkte der Jarl, daß Einar fort wollte, und bat ihn, daß er sich mit ihm unterredete. Darauf nahm der Jarl eine wertvolle Waagschale aus lauterem Silber gefertigt und ganz vergoldet, und dazu gehörten zwei Gewichte, eins von Gold und eins von Silber. Darauf waren Menschenbilder, und das nannten sie »Lose«, und sie hatten diese Eigenschaft: Wenn der Jarl sie in die Schalen legte und dabei sagte, was jedes bezeichnen sollte, und das empor kam, das er wollte, dann bewegte es sich in der Schale so, daß ein Klang davon ausging. Der Jarl schenkte Einar die Waagschale, und der ward froh darüber und wurde seitdem Einar Schalenklang genannt.

Der zweite Isländer hieß Vigfus, der Sohn des Totschlags-Glum. Thord hieß der dritte, genannt Linkhand, der vierte Thorleif Schummer, der Sohn Thorkels aus dem Dyrafjord. Dieser suchte sich eine Keule im Walde oder einen halben Baumstumpf, glühte ihn im Feuer und trug ihn in der Hand. Er ging auf das Schiff des Jarls Erich. Der Jarl sprach: »Was soll dir der große Knüppel da?« Thorleif sprach:

Hab' in der Hand,
Aufs Haupt zu schmettern,
Buis Beinbruch,
Bös für Sigvaldi,
Weh der Wiking',
Wehr für Hakon.
Schlimm soll werden,
Wenn wir noch leben,
Die Eichenkeule
All' den Dänen.

Vigfus war auch auf dem Schiff des Jarls Erich. Er nahm seinen Spieß und wetzte ihn und sprach:

Schönes Spiel uns winket,
Schläft daheim Lauch-Feimas
Freund. Nah wütet Wetter
Vidrir-Rutens, bittres.
Wärmer in Weibs Armen
Wohl schläft der frau'ntolle,
Doch wir glätten Gere.
Gar andres sein harret.

Saga - Kapitel 15


Die Schlacht in der Hjörungabucht


Nun rückten die Schlachtreihen aneinander, und es begann eine gewaltige Schlacht, und keine Seite bedurfte des Ansporns. So wird erzählt, daß dort, wo Sigvaldi und die Seinen mit Jarl Hakon und Jarl Svend zu tun hatten, die Schlacht stand und keiner von beiden seine Schiffe zurückweichen ließ. Gleich stand das Spiel auch zwischen Jarl Erich und Vagn. Aber dort, wo Bui und sein Bruder vordrangen, da richtete Bui ein großes Gemetzel an, und es schien besser, weiter ab von ihm zu sein. Sie ließen die Schiffe zurückgehen, und Bui ruderte einen großen Bogen in die Schlachtreihe der Jarle hinein. Da war großes Geschrei und gewaltiges Hörnerblasen.

Nun sah das Jarl Erich. Er steuerte dorthin und hielt auf Bui zu. Da erhob sich der grimmigste Angriff. Es gelang dem Jarl, seine Schlachtreihe auszurichten, und nicht mehr. Sie hörten großes Geschrei von Vagn und den Seinen. Der Jarl ruderte dorthin. Da hatte Vagn gewaltig aufgeräumt. Er war auf die Schlachtreihe des Jarls eingedrungen und hatte den ganzen Flügel abgetrennt. Und als Jarl Erich das sah, legte er den »Eisenwidder« Bord an Bord mit der Skeid Vagns, und sie schlugen sich nun aufs neue. Und es wird allgemein gesagt, daß nie ein Angriff kühner gewesen sei.

In dem Augenblick sprangen Vagn und Aslak Holmglatze vorn auf den Widder hinauf und gingen jeder seinen Bord entlang und machten sich Bahn, so daß alles davor zurückwich. Aslak hatte seine Glatze unbedeckt, und obgleich sie ihn auf die Glatze hieben, schnitt das doch nicht tiefer, als wenn sie mit einem Fischbeinstäbchen geschlagen hätten. Es war schönes Wetter und heißer Sonnenschein, und viele Männer fuhren aus den Kleidern. Vagn und Aslak erschlugen manchen Mann.

Nun feuerte Jarl Erich seine Leute heftig an. Da ergriff Vigfus, Vigaglums Sohn, einen großen Schnabelamboß und trieb ihn Aslak in den Kopf. Und der Schnabel an dem Amboß drang sofort ein, und Aslak fiel sogleich nieder und ließ sein Leben.

Aber Vagn ging an dem andern Bord entlang und erschlug die Männer mit wilder Gewalt. Thorleif Schummer lief ihm entgegen und schlug nach Vagn mit der Eichenkeule. Der Hieb traf den Helm und war so wuchtig, daß der Helm zerbrach. Aber Vagn schwankte gegen den Schiffsbord hin und stieß dabei nach Thorleif mit dem Schwert, setzte aber zugleich über Bord und auf seine Skeid. Und er schlug sich aufs tapferste. Jarl Erich stieß darauf mit seinem Schiffe ab; denn es war von der Spitze bis zum Mast geödet. Da hatte auch Jarl Hakon das ganze Heer an Land gesetzt, und so entstand nun eine Pause im Gefecht, und der Jarl fand sich mit allen seinen Söhnen zusammen. Jarl Hakon sprach: »Es sieht mir so aus, als ob der Kampf anfängt, gegen uns auszufallen. Ich befürchtete das Schlimmste davon, mit diesen Leuten zu kämpfen, und nun kommt es auch dahin. Auf diese Weise werden wir kein Glück haben, wenn wir nicht irgendeinen guten Rat finden. Ich will aufs Land gehen, ihr aber paßt inzwischen mit dem Heere auf, wenn sie angreifen sollten.«

Nun ging der Jarl auf die Insel Primsignd hinauf und wanderte fort in den Wald, warf sich auf die Knie nieder und betete und schaute nach Norden. Mit seinen Gebeten kam es darauf hinaus, daß er seine Schützerin Thorgerd Hölgabrud anrief; aber sie wollte seine Bitte nicht hören und war zornig. Er bot ihr mancherlei zum Opfer an, aber sie wollte nichts annehmen, und es dünkte ihn hoffnungslos. Es kam so weit, daß er ihr Menschenopfer bot, aber sie wollte es nicht annehmen. Er bot ihr zuletzt seinen sieben Jahre alten Sohn, der Erling hieß, und den nahm sie an. Der Jarl übergab den Knaben nun seinem Knecht Skopti; und der ging hin und brachte den Knaben um. Darauf begab sich der Jarl zu seinen Schiffen zurück und spornte nun sein Heer von neuem an. »Ich weiß jetzt gewiß, daß uns der Sieg beschieden ist; geht nun um so besser vor. Denn ich habe den beiden Schwestern Thorgerd und Irpa für unsern Sieg ein Gelübde getan.« Nun ging der Jarl auf sein Schiff, und sie rüsteten sich aufs neue. Und darauf ruderten sie zum Angriff. Aufs neue erhob sich da nun der grimmigste Kampf. Und bald begann es im Norden dick am Himmel heraufzukommen, und es bezog sich schnell. Auch ging der Tag zur Neige. Demnächst prasselten Blitze und Donner, und dann setzte ein heftiger Schneesturm ein. Die Jomswikinger hatten gegen das Wetter zu streiten. Der Schneesturm war so ungeheuerlich, daß die Männer kaum aufrecht stehen konnten. Die Männer waren aber vorher aus den Kleidern gefahren, der Hitze wegen, und nun fing es an kalt zu werden. Dennoch setzten sie den Kampf ohne Fehl fort. Aber wenn auch die Jomswikinger Steine oder Waffen schleuderten oder mit Speeren schossen, warf der Sturm dies alles auf sie zurück und dazu den Geschoßhagel ihrer Feinde.

Havard der Schläger sah zuerst Hölgabrud im Heere Jarl Hakons und viele andere hellseherische Männer. Und als der Schneesturm etwas nachließ, sahen sie, daß von jedem Finger der Unholdin ein Pfeil flog und jeder einen Mann traf, und sie sagten es Sigvaldi. Und er sprach: »Mir scheint, daß wir nicht gegen Menschen allein kämpfen; aber doch ist notwendig, daß jeder leiste, soviel er kann.« Als der Schneesturm etwas nachließ, rief Jarl Hakon zum andernmal zu Thorgerd und sagte, er habe es sich viel kosten lassen.

Da fing es zum zweitenmal an, finster zu werden von einem Schneesturm, und der war nun viel größer und schwerer als vorher, und gleich zu Beginn des Unwetters sah Havard der Schläger, daß zwei Weiber auf das Schiff des Jarls gekommen waren und beide dasselbe Gebaren hatten. Da sprach Sigvaldi: »Jetzt will ich fortfliehen, und das sollen alle meine Mannen tun. Das haben wir nicht gelobt, gegen Hexen zu kämpfen; auch ist es jetzt um so schlimmer als vorher, da es nun zwei Unholdinnen sind. « Nun löste Sigvaldi seine Schiffe und rief Bui und Vagn zu, daß sie fliehen sollten. Vagn rief, er solle nur fahren, erbärmlichster der Männer, der er sei. Und bei diesem Wortwechsel springt Thorkel Midlang von seinem Schiff auf das Schiff Buis und haut sogleich nach ihm, und das geht alles im Handumdrehen; er hieb ihm die Lippe ab und das Kinn ganz bis unten hin durch, und die Zähne flogen aus dem Kopf. Da sprach Bui: »Nun wird es den dänischen Mädchen auf Bornholm verleidet sein, uns zu küssen.« Bui hieb darauf nach Thorkel - es war aber glatt auf dem Schiff, und der fiel auf den Schildwall, als er ausweichen wollte, und der Hieb traf Thorkel in der Mitte und schnitt ihn am Schiffsbord in zwei Stücke.

In dem Augenblick sprang Sigmund, Brestis Sohn, der gewaltigste Kämpfer, hinzu, drang auf Bui ein, und es endete damit, daß Sigmund dem Bui beide Hände im Gelenk abhieb. Da steckte Bui die Armstümpfe in die Ringe auf den Kisten und rief laut: »Ober Bord alle Krieger Buis.«

Jetzt zog Sigvaldi aus der Flotte ab. Da sprach Vagn diese Strophe:

Keil' unter den Keulen
Kam all'n von Sigvaldi.
Dann feig hin nach Dän'mark
Dämelte die Memme.
Befreundeter Fraue
Falln' in die Arme wollt' er.
Doch von Bord, dem breiten,
Bui sprang, der mut'ge.

Sigvaldi war es kalt geworden, er sprang zu den Rudern und ruderte, aber ein andrer steuerte. Da schleuderte Vagn einen Spieß nach Sigvaldi, aber der traf den, der steuerte, und nagelte ihn hinten gegen den Schiffsbord.

Thorkel der Hohe wandte sich sogleich hinweg, als Sigvaldi abgefahren war, und so auch Sigurd Mantel, sobald Bui über Bord gegangen war; und beide meinten ihr Gelübde erfüllt zu haben. Sie hatten vierundzwanzig Schiffe und fuhren nach Dänemark zurück.

Nun ist von Vagn zu berichten, daß er aufs neue heldenhaften Widerstand anhob und alle seine Leute. Es gingen da auch alle auf die Skeid, die noch waffenfähig waren. Aber Jarl Erich und viele andre Häuptlinge griffen nun die Skeid an, und da entspann sich der härteste Kampf. Es kam so, wie man zu sagen pflegt: niemand kann gegen die Übermacht. Vagns Mannen fielen da so dicht, daß ihrer nicht mehr übrigblieben als achtzig Mann. Die verteidigten nun das Schanzdeck auf der Skeid. Es wurde nun so finstre Nacht, daß man zum Kämpfen nicht mehr sehen konnte.

Da ließ der Jarl das ganze Takelwerk vom Schiffe einnehmen und von allen Schiffen, und damit ruderten sie davon. Sie ließen nun die Nacht über bei den Schiffen Wache halten, zogen die Schilde empor und hatten sich des Sieges groß zu rühmen. Darauf wogen sie die Hagelkörner auf der Waage, um Thorgerds und Irpas Macht zu prüfen, und es wog jedes Korn eine Unze. Vagn und Björn der Waliser besprachen sich nun, was zu unternehmen sei. »Eins von beiden«, sagte Vagn, »wir warten hier den Tag ab und lassen uns gefangennehmen, oder wir versuchen an Land zu kommen, tun ihnen noch irgendwas Böses in und bringen uns dann in Sicherheit. « Da nahmen sie den Mastbaum und die Rahen, und auf denen machten sich die achtzig Mann in der Dunkelheit davon.

Sie gelangten auf die Schäre, und da waren die meisten von Wunden und Kälte völlig erschöpft; und sie konnten nicht mehr weiter. Zehn Mann starben dort in der Nacht. Als aber der Morgen dämmerte, gingen die Mannen des Jarls daran, ihre Wunden zu verbinden. Da hörten sie, daß eine Bogensehne klang, und ein Pfeil flog ab, und der traf Gudbrand, einen Verwandten des Jarls; und er hatte genug daran. Sie ruderten nun hin und untersuchten die Schiffe. Und auf dem Schiffe Buis fanden sie Havard den Schläger noch am Leben, und es fehlten ihm beide Füße. Er sprach: »Wer von den Gesellen fiel vorhin von meinem Schuß?« Sie sagten es ihm. Havard sprach: »Da war mein Glück geringer als ich wollte. Auf den Jarl hatte ich es abgesehen.« Da erschlugen sie Havard. Jarl Erich ging dorthin, wo Thorleif Schummer stand, und fragte: »Warum siehst du so aus, als ob du dem Tode verfallen wärst?« Er sagte: »Ich wüßte nicht, außer daß Vagns Schwertspitze mich gestern ein wenig berührte, als ich ihm den Keulenhieb versetzte.« Der Jarl sprach: »Da ist es deinem Vater übel ergangen.« Das hörte Einar Schalenklang und sprach die Strophe:

So der Jarl zu Südens
Seeroßlenker redet,
Als er fand an Golds Feinde
Fährt', blut'ge, des Schwertes:
Voll Leid deinem Vater
Viel bringt's, Inselringes-
Fohlens Steurer, fällst du.
Fürwahr: ich glaub' daran.

Da starb Thorleif.

Saga - Kapitel 16


Die Prüfung der Jomswikinger


Nun sahen sie, daß da auf der Schäre viele Leute waren. Da befahl der Jarl, ihnen nachzufahren und sie gefangenzunehmen. Sie ruderten nun zu ihnen hinüber, und da wehrten sie sich nicht. Der Jarl ließ sie alle an ein Seil binden. Dann wurden ihre Schiffe zum Lande geführt und alle ihre Habseligkeiten verteilt. Darauf holten die Leute des Jarls ihre Mundvorräte hervor und aßen und prahlten tüchtig.

Und als sie satt waren, gingen sie dorthin, wo die Gefangenen waren, und Thorkel Leira war ausersehen, die Jomswikinger zu enthaupten. Da wurden drei Mann aus dem Strange vorgeführt, die waren sehr verwundet. Es waren aber Knechte dazu bestellt, sie zu bewachen und ihnen einen Stock ins Haar zu drehen. Thorkel Leira ging nun hinzu, ihnen den Kopf abzuschlagen - und danach sprach er:»Findet ihr etwa, daß ich mich bei diesem Geschäft verändert habe? Denn viele behaupten das ja, wenn einer drei Männer enthauptet.« Jarl Erich sprach: »Wir sehen nicht, daß du dich dabei veränderst, und doch kommst du uns sehr verändert vor. « Dann wurde der vierte Mann aus dem Strang vorgeführt und ihm die Gerte ins Haar geschlungen. Er war schwer verwundet. Thorkel sprach: »Wie behagt es dir, zu sterben?« »Gut behagt mir mein Tod; es wird mir geschehen wie meinem Vater. « Thorkel fragte, was das gewesen wäre. Er sagte: »Hau zu. Er starb. « Da hieb Thorkel ihn nieder. Dann wurde der fünfte vorgeführt, und Thorkel fragte ihn, wie es ihm behage zu sterben. Er sagte: »Ich gedächte nicht der Gesetze der Jomswikinger, wenn ich mich vor dem Tode fürchtete oder Worte der Furcht spräche. Einmal muß jeder sterben. « Thorkel hieb ihn nieder. Nun nahmen sie sich vor, jeden von ihnen zu fragen, ehe sie erschlagen würden, und so die Mannschaft zu prüfen, ob sie so standhaft wäre, wie gesagt wurde. Und sie sollten als erprobt gelten, wenn keiner ein Wort der Furcht spräche. Da wurde der sechste Mann vorgeführt und ihm ein Stock ins Haar geschlungen. Thorkel fragte auf dieselbe Weise. Der sagte, gut dünke es ihn, mit gutem Nachruhm zu sterben - »Aber du, Thorkel, wirst mit Schanden leben.« Er hieb ihn nieder. Da wurde der siebente Mann vorgeführt, und Thorkel fragte ihn nach Gewohnheit. »Mir gefällt es ganz gut, zu sterben, aber schlage du mich schnell nieder, ich halte hier ein Gürtelmesser in der Hand; denn wir Jomswikinger haben oft darüber zu reden gehabt, ob einer, wenn er ganz schnell erschlagen würde, wohl noch von etwas wisse, wenn sein Kopf ab wäre; das aber soll zum Zeichen sein, daß ich mit dem Messer nach vorn zeigen werde, wenn ich noch etwas weiß, sonst wird es niederfallen. « Thorkel hieb ihn nieder, und der Kopf flog ab, aber das Messer fiel zu Boden.

Da wurde der achte Mann genommen, und Thorkel fragte ihn wie gewöhnlich. Er sagte, es gefalle ihm gut. Und als er merkte, daß er nun nicht mehr lange zu warten haben werde, sagte er: »Widder.« Thorkel hemmte den Schlag und fragte, wie ihm das Wort in den Mund käme. Er sagte: »Es werden deren doch nicht zu viele sein für die Aulämmer, die ihr Jaarleute gestern rieft, als ihr die Streiche erhieltet. « »Elendester«, sagte Thorkel und ließ den Hieb auf ihn niedersausen. Dann wurde der neunte Mann losgebunden. Thorkel sprach wie gewöhnlich. Er sagte: »Gut gefällt mit mein Tod, wie uns Genossen allen. Aber ich will mich nicht schlachten lassen wie ein Schaf. Lieber will ich vor dir sitzen, du aber hau mir von vorn ins Gesicht. Und gib genau acht, ob ich etwa zucke, denn wir haben oft darüber zu reden gehabt. « Es wurde nun so gemacht, daß er davor saß, aber Thorkel trat von vorn heran und hieb ihn ins Gesicht, und er zuckte nicht, nur die Augen sanken zu, als der Tod eintrat.

Da wurde der zehnte Mann herangeführt, und Thorkel fragte. Er aber sagte: »Ich will, daß du wartest, derweilen ich die Hosen herunterlasse.« »Das soll dir gewährt sein«, sagte Thorkel. Und als er das gemacht hatte, sprach er: »Manches kommt anders als man denkt. Ich dachte zu Thora, Skagis Tochter, der Frau des Jarls, ins Bett zu kommen. « Und er schüttelte sein Glied. Darauf zog er sich die Hose hoch. Jarl Hakon sprach: »Hau den schleunigst nieder; der hat lange Böses im Sinne gehabt.« Thorkel hieb ihn nieder.

Da wurde ein junger Mann herangeführt, der hatte Haar, dicht und golden wie Seide. Thorkel fragte ihn wie gewöhnlich. Er sagte: »Ich habe nun das schönste Leben geführt; nun haben vor kurzem solche Männer ihr Leben gelassen, daß es mir nicht wert scheint zu leben. Aber ich will nicht, daß mich Knechte zum Tode führen, sondern ein Mann, der kein schlechterer Kerl ist als du -er wird ja nicht schwer zu finden sein -, und der soll mir das Haar vom Kopfe abhalten und den Kopf an sich reißen, damit das Haar nicht blutig werde. « Ein Gefolgsmann trat herzu, ergriff das Haar und wickelte es sich um die Hand. Aber Thorkel schlug mit dem Schwerte zu, und in dem Augenblick zuckte jener mit dem Kopf zurück, und der Hieb traf den, der ihn hielt, und schnitt ihm beide Arme am Ellbogengelenk ab. Jener sprang auf und rief: »Wer hat seine Hände in meinem Haar?« Jarl Hakon sprach: »Großes Unheil geschieht nun. Erschlagt den so schnell wie möglich und ebenso die andern, die übrig sind; denn mit diesen Leuten ist ein zu schlimmes Umgehen, als daß wir uns vor ihnen in acht nehmen könnten.« Jarl Erich sagte: »Wissen wollen wir doch nun erst, wer sie sind. Wie heißt du, junger Mann?« Er sagte: »Svend nennen sie mich.« Der Jarl fragte: »Wessen Sohn bist du?« Er sagte: »Ich bin ein natürlicher Sohn Buis. « Der Jarl fragte: »Wie alt bist du?« Er sagte: »Wenn ich diesen überlebe, bin ich achtzehn Winter. « Jarl Erich sprach: »Nun, du sollst ihn überleben.« Da nahm der Jarl ihn zu sich. Jarl Hakon sprach darauf: »Ich weiß nun nicht, ob der frei ausgehen soll, der uns solchen Schimpf angetan hat. Doch wirst du zu bestimmen haben - und enthaupte die Männer nun weiter. « Da war ein Mann von dem Seil gelöst, und das Seil wickelte sich ihm um den Fuß, so daß er fest war. Er war groß und jung und sehr behende. Thorkel fragte, wie gut es ihm gefiele zu sterben? »Gut«, sagte er, »wenn es mir gelänge, mein anderes Gelübde zu erfüllen.« Jarl Erich sprach: »Welches ist dein Name?« »Ich heiße Vagn«, sagte er. Der Jarl fragte, wessen Sohn er wäre. Er sagte, er sei Akis Sohn. Der Jarl sprach: »Was tatest du für ein Gelübde, daß du dann gern sterben würdest?« »Dies«, sagte er, »daß ich zu Ingibjörg, der Tochter Thorkel Leiras, ins Bett kommen wollte ohne Einwilligung ihrer Verwandten, ihn selbst aber erschlagen, wenn ich nach Norwegen käme.« »Das werde ich verhindern«, sagte Thorkel, stürzte auf ihn zu und hieb nach ihm mit beiden Händen. Aber Björn der Waliser stieß mit dem Fuß nach Vagn, daß dieser hinfiel. Thorkel hieb über Vagn weg und stürzte hin; sein Schwert aber entfiel ihm und kam an das Seil, und Vagn wurde frei. Da sprang er auf, ergriff das Schwert und schlug Thorkel Leira den Todesstreich. Da sprach Vagn: »Jetzt hab ich mein Gelübde halb erfüllt und bin schon bedeutend besser zufrieden damit. « Da sprach Jarl Hakon: »Laßt ihn nicht los und schlagt ihn schleunigst tot!« Jarl Erich sprach: »Er soll ihn ebensowenig erschlagen wie mich.« Jarl Hakon sagte: »Dann brauchen wir uns ja nicht einzumischen, wenn du allein bestimmen willst. « Jarl Erich sprach: »Einen guten Kauf machen wir mit Vagn; und es scheint mir ein guter Tausch, daß er an Thorkel Leiras Stelle trete.« Jarl Erich nahm nun Vagn bei sich auf. Da sprach Vagn: »Nur unter der Bedingung ziehe ich es vor zu leben, daß allen unsern Genossen Gnade gewährt sei -sonst fahren wir alle einen Weg. « Jarl Erich sagte: »Ich will nun mit ihnen sprechen, und ich schlage es nicht ab, das zu tun. « Da ging Jarl Erich zu Björn dem Waliser und fragte ihn nach seinem Namen. Er nannte ihn. Der Jarl sprach: »Bist du der Björn, der so tapfer den Mann aus der Halle König Svends holte? Was bewog dich denn, uns anzugreifen, du alter Mann in weißen Haaren? Es ist doch wirklich wahr, wenn man sagt, daß uns jeder Strohhalm stechen will. Willst du das Leben von uns annehmen?« Björn sagte: »Ich will es annehmen, wenn mein Pflegeson Vagn freigelassen wird und alle, die noch am Leben sind.« »Das soll dir gewährt werden, wenn es nach mir geht. « Jarl Erich bat nun seinen Vater, daß die Jomswikinger, die noch übrig waren, begnadigt würden. Jarl Hakon überließ es ihm, zu bestimmen. Sie wurden nun losgebunden, und es wurde ihnen Frieden zugesichert.

Saga - Kapitel 17


Weiteres von den Jomswikingern


Danach fuhr Vagn gen Osten nach Vik auf den Rat Jarl Erichs, und der sagte, er solle dort Hochzeit mit Ingibjörg halten, wie es ihm beliebe. Dort blieb Vagn den Winter über. Aber im Frühling fuhr er gen Süden nach Dänemark heim nach Fünen zu seinen Besitzungen und waltete lange darüber, und viele große Männer sind von ihm und Ingibjörg entsprossen; die galt auch für eine ganz gewaltige Frau.

Björn aber fuhr heim nach Wales und herrschte darüber, solange er lebte, und galt als der trefflichste Mann. Aber als Sigvaldi heimkam nach Dänemark, fuhr er nach Seeland zu seinen Besitzungen. Dort erwartete ihn Astrid, seine Frau. Astrid ließ ihm ein Bad bereiten und rieb ihn selbst ab und sagte: »Es sind, glaube ich, in der Jomswikingerschlacht einige gewesen, die ein durchlöchertes Fell davongetragen haben, und dieses dünkt mich aufs beste dazu geeignet, Weizenmehl darin zu verwahren.« Er sagte: »Es könnte noch zu meinen Lebzeiten geschehen, daß du das nicht zu beschreien hast, und laß es dir nur gefallen.« Sigvaldi herrschte über Seeland und galt für einen klugen Mann; er kommt auch in mehreren Geschichten vor. Thorkel der Hohe aber galt als der klügste Mann, und das zeigte sich später oft. Sigurd Mantel übernahm die Hinterlassenschaft seines Vaters in Bornholm und galt für einen sehr brauchbaren Mann. Und ein großes Geschlecht stammt von ihm und Tova ab. Das sagen aber viele Leute, daß Bui zu einem Lindwurm geworden sei und sich auf sein Gold gelegt habe. Das ist darauf zurückzuführen, daß Leute eine Schlange in der Hjörungabucht gesehen haben. Es kann auch sein, daß irgendein böser Geist sich auf den Schatz gelegt hat und da hinterher gesehen worden ist. Aber Jarl Hakon herrschte danach nicht mehr lange über Norwegen, und er wurde hochberühmt durch diesen Sieg. Es kam dann der berühmte König Olaf Tryggvassohn nach Norwegen. Da wurde Jarl Hakon ums Leben gebracht, wie es erzählt wird in der Geschichte der Könige. Aber König Olaf machte da ganz Norwegen christlich.



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