Die Schiffe der Wikinger


Ihre historische Hauptleistung vollbrachten die Wikinger bereits vor der eigentlichen Wikingerzeit. Sie entwickelten ein seetüchtiges Segelfahrzeug, mit dem sich große Distanzen bewältigen ließen. Das Wikingerschiff, in Klinkerbauweise auf einem durchgehenden Kiel errichtet, mit hochgezogenem Steven an Bug und Heck, Rahsegel, seitlich angebrachter Steuereinrichtung und paarweise angeordneten Riemen, wurde mit der Meersdünung fertig, und dank seines geringen Tiefgangs konnte man auch Flüsse befahren. Selbst der Transport über Land, etwa über eine Wasserscheide, war möglich. Dazu legte man dem Schiff Rundhölzer als Rollen unter und schob es vorwärts.

Darstellungen auf gotländischen Bildsteinen und Funde von Gokstad, Haithabu, Oseberg, Skuldelev und Tune geben Aufschluß, wie das mit Segeleinrichtung ausgestattete Wikingerschiff aussah und worin sein Bauprinzip bestand. Wie beim alten Einbaum machte der leicht nach außen gebogene Kiel, möglichst aus einem Stück, den Anfang. Daran wurden die beiden Steven angesetzt. Es folgten die Planken in mehreren Gängen übereinander, mit Eisenstiften vernietet. Die Fugen wurden mit Kuhhaar gedichtet. Kiel, Steven und Planken bestanden aus Eichenholz, das den Vorteil großer Festigkeit hatte. Erst wenn die Wände standen, wurden die Spanten eingezogen. Außenhaut und Spanten wurden mit Holznägeln, teilweise auch mit festgezurrtem Tauwerk verbunden, was dem Schiffskörper Elastizität verlieh. Rudereinrichtungen wurden beibehalten, bei Handelsschiffen waren es nur wenige Riemenpaare, bei Kriegsschiffen wesentlich mehr. Feste Sitzeinrichtungen gab es nicht, man nimmt an, dass die Schiffer auf Seekisten saßen, in denen sie ihre Habe verwahrten. Die Oberkante des Bootkörpers war durch eine dicke Bohle verstärkt, darunter befanden sich runde Öffnungen, durch die die Riemen hinausgeschoben wurden; wenn das Schiff segelte, wurden die Öffnungen mit runden Scheiben verschlossen. Das Wikingerschiff besaß einen Mast, der mittschiffs in einem Kiel aufgesetzten massiven Balken gesteckt war. Man konnte diesen Mast auch herausnehmen. Aufrecht wurde er gehalten durch Wanten und Stage aus Hanf oder Seehundsleder. Das Segel hatte die Form eines Rechtecks und bestand aus zusammengenähten Stoffbahnen, über die wiederum Tauwerk zur Erhöhung der Festigkeit gezogen war. Gesteuert wurde mit einem massiven Ruder, daß achtern an der rechten Seite angebracht war.

Man schmückte die Schiffe mit vergoldeten Standarten, verzierte die Stevenbretter mit Schnitzereien und wandte besonders viel Sorgfalt und bizarre Phantasien auf die Stevenaufsätze, die als Tier- oder Drachenköpfe ausgestaltet wurden.

Wikingerschiffe variierten nach Zweckbestimmung. Bei den Kriegsschiffen, auch als Langschiffe bezeichnet, gab es nach archäologischen befunden Versionen zwischen 18 und 36 Meter Länge , bei Breiten zwischen 2,60 und 4 Meter. Sie waren nur geeignet für Einsätze in den Küstengewässern von Nord- und Ostsee, rund um die britischen Inseln oder den Gestaden des fränkischen Reiches . Transatlantikfahrten werden mit den Knorren unternommen worden sein. Kürzer als das Langschiff. Dafür aber breiter, hochbordiger und insgesamt stämmiger gebaut, konnte ein Knorr Lasten bis zu 40 Tonnen tragen.


Ganz gleich auf welcher Art Schiff der Wikinger unterwegs war, weder Kriegsschiffe noch Frachter boten einen gemütlichen Aufenthalt. Es gab an Bord keine warmen Kajüten. Die Besatzung war allen Unbilden und Witterungen ausgesetzt. Während eines Seetörns lebten sie ausschließlich von kalter Verpflegung, denn Feuer wurde an Bord nicht geduldet. Sie aßen Fladenbrot, Stockfisch, geräuchertes oder gesalzenes Fleisch. Getränke wurden in Lederschläuchen mitgeführt. Große Säcke aus Fell dienten bei Nacht als Schutz ( Schlafsäcke ). Alles in Allem, die Männer mussten hart im nehmen sein.



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